{"id":3213,"date":"2016-06-02T09:55:32","date_gmt":"2016-06-02T07:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?p=3213"},"modified":"2016-06-03T00:29:53","modified_gmt":"2016-06-02T22:29:53","slug":"problematisches-sfizy-veg-oder-warum-veganismus-mehr-als-kaeseersatz-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berta-online.org\/?p=3213","title":{"rendered":"Problematisches Sfizy Veg oder warum Veganismus mehr als K\u00e4seersatz ist"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><i><br \/>\nAus gegebenen Anlass ver\u00f6ffentlichen wir einen kurzen Text zur Problematik im Umgang mit (ehemaligen) Mitarbeiter_innen des &#8222;Sfizy Veg&#8220; und verweisen auf die von der FAU organisierte Demonstration,&#8220;Gewerkschaftsfreiheit statt Klassenjustiz&#8220;, am 04.06.2016, um 14 Uhr am Hackeschen Markt in Berlin Mitte.<\/i>\n<\/p>\n<p align=\"justify\">\n\u201eSfizy Veg: Ein veganes Paradies, die H\u00f6lle f\u00fcr Arbeiter\u201c. So titelte die Webseite der Freie[n] Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union Berlin am 23.12.2015 und beschrieb damit einen Vorfall, in dem zwei Mitarbeiter_innen in der veganen Pizzeria \u201eSfizy Veg\u201c, in Berlin-Neuk\u00f6lln, im November 2015 \u201ean Ort und Stelle gefeuert\u201c wurden. Die nun ehemaligen Besch\u00e4ftigten sind jedoch FAU-Mitglieder und so begann im Januar der Kampf, um die Ab\u00e4nderung des offiziellen K\u00fcndigungsgrundes und der generelle Protest gegen die \u201eFirmen-Politik\u201c vermeintlich linker Gastst\u00e4tten in Berlin. Denn nicht nur im \u201eSfizy Veg\u201c sind die Unterschiede, zwischen der \u00e4u\u00dferen Fassade und dem Umgang mit Mitarbeiter_innen im Inneren, gravierend. So gibt man sich betont alternativ und irgendwie links, klebt sich &#8217;nen Anti-Pelz-Sticker an die T\u00fcr und ein \u201eK\u00f6pi bleibt\u201c Plakat ins Fenster, bietet (\u00fcberwiegend oder nur) vegane Produkte an und fertig ist der neue Laden f\u00fcr die (aber nicht nur) vegane Berliner Alternativkultur.\n<\/p>\n<p align=\"justify\">\nDass davon bei k\u00fcrzeren oder l\u00e4ngeren Gespr\u00e4chen mit Betreiber_innen, aktuellen sowie ehemaligen Mitarbeiter_innen nicht viel mehr \u00fcbrig bleibt, als die immer gleichen hohlen Phrasen oder, wie im Fall des \u201eSfizy Veg\u201c, auf Arbeiternehmer_innen-Rechte \u201egeschissen\u201c wird, obwohl man sich nach au\u00dfen eine anarchistische und anti-kapitalistische Grundausrichtung gibt, muss zu einer klaren Kante der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung dagegen f\u00fchren. Selbstverst\u00e4ndlich ist es toll in eine Pizzeria zu gehen, ohne zu fragen, ob es die Pasta auch als vegane Variante gibt. Die Anfangszeit des \u201eSfizy&#8217;s\u201c bot f\u00fcr uns nicht nur die M\u00f6glichkeit leckere, vegane Pizza- und Pastagerichte zu verspeisen, sondern sich auch als Gruppe einzubringen und zu bemerken, dass es innerhalb eines kapitalistischen Systems L\u00e4den geben kann, in denen Politik eine gleichberechtigte Rolle, neben der Rentabilit\u00e4t des Ladens, spielt. Der gro\u00dfe Tierrechtsschriftzug stach beim Eintritt ins \u201eSfizy\u201c sofort ins Auge, es gab neben Stickern und Aufn\u00e4hern auch eine relativ gro\u00dfe B\u00fccher- und Zeitschriftenauswahl mit explizit linkspolitischem Inhalt. Zus\u00e4tzlich veranstaltete die Berliner Tierbefreiungsaktion (BerTA) jeden Monat einen Soli-Tag, an dem die Gewinne des Tages einem vorher bekanntgegeben Zweck zukamen. Doch schon nach kurzer Zeit nahmen die \u201eGer\u00fcchte\u201c, \u00fcber den Umgang der Bertreiber_innen gegen\u00fcber den Mitarbeiter_innen, zu. So wurde von cholerischen Anf\u00e4llen in der K\u00fcche, unzumutbaren Arbeitsbedingungen und ausbleibenden Lohnauszahlungen berichtet. Ob dies alles immer gestimmt hat, soll dahingestellt bleiben, v\u00f6llig aus der Luft gegriffen scheinen die Anschuldigungen, auch aufgrund der jetzt stattfindenden Kampagne der FAU, nicht zu sein.\n<\/p>\n<p align=\"justify\">\nDoch was soll jetzt der ganze Artikel hier nun aussagen: Wieder ein Vorwurf gegen\u00fcber dem ganzen Lifestyle-Veganismus? Im Prinzip schon, denn anhand des \u201eSfizy Veg\u201c kann deutlich beobachtet werden, dass das Problem, des Auseinanderdriftens von Veganismus und Politik, nicht nur bei \u201eGesundheitsveganern_innen\u201c wie Hildmann und Co. zutage tritt, sondern sich auch in einer scheinbar linksalternativen, und im vorliegenden Fall angeblich anarchistischen Umgebung ausbreitet. Und wie auch beim Lifestyle-Veganismus a l\u00e1 \u201eAttila\u201c, k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir als tierrechtspolitische Bewegung, auch im vorliegenden Fall des \u201eSizy Veg\u201c klare Kante zeigen. Wenn wir die Ungleichheit von nichtmenschlichen und menschlichen Tieren beenden wollen und wenn wir f\u00fcr eine Welt ohne Ausbeutung und Leid k\u00e4mpfen, dann m\u00fcssen und werden wir auch den Arbeiter_innen des \u201eSfizy Veg\u201c unsere Solidarit\u00e4t aussprechen. Denn wie die FAU es richtig sagt, ist es den aktuell geschassten ehemaligen Mitarbeiter_innen egal ob die Betreiber_innen sich nun als links, alternativ oder anarchistisch betiteln. Wer ausbeuterische Methoden an den Tag legt und anwendet, ist nicht besser als der Rest, gegen\u00fcber dem man sich anscheinend abgrenzen m\u00f6chte. Eine vegane Ern\u00e4hrung ist mehr als der Vergleich von K\u00e4seersatzprodukten im \u201eVeganz\u201c. Veganismus bedeutet die kapitalistische Ausbeutung von Tier und Mensch in Frage zu stellen, und mit dem \u201eVerzicht\u201c auf tierische Produkte eine Alternative aufzuzeigen bzw. zu leben. Dies ist nicht immer einfach und auch wir als vegan lebende Menschen sollten uns noch \u00f6fter hinterfragen, wo beispielsweise unser t\u00e4glicher Kaffee herkommt oder ob wir tats\u00e4chlich wieder den umst\u00e4ndlich in Plaste verpackten Tofu kaufen m\u00fcssen. Was uns jedoch eint ist der Wunsch nach Ver\u00e4nderung der Gesellschaft. Nach Ver\u00e4nderung der aktuellen Bedingungen f\u00fcr Tier und Mensch innerhalb eines Systems, dass nur den Profit vor Augen hat. Und dieser Wunsch nach Ver\u00e4nderung h\u00f6rt nicht in unseren K\u00fcchen auf, sondern f\u00e4ngt dort erst richtig an. Das bedeutet daher nicht nur den oben erw\u00e4hnten \u201eVerzicht\u201c auf tierische \u201eLebensmittel\u201c, sondern auch der aktive Verzicht auf den Konsum in Betrieben wie dem \u201eSfizy Veg\u201c oder dem \u201eVeganz\u201c (zwei Beispiele unter vielen), die sich zwar einen \u00f6kologischen, umweltbewussten, tierrechtspolitischen und teilweise antikapitalistischen Anstrich geben, diesen aber gar nicht oder nur zum Teil und nur aufgrund des Trends, einhalten. Dass dies n\u00e4mlich auch anders geht bzw. genau so geht wie man es vorgibt, zeigen die Beispiele \u201ela stella nera\u201c und \u201eDr. Pogo\u201c (beide in Berlin-Neuk\u00f6lln).\n<\/p>\n<p align=\"justify\">\nDaher geb\u00fchrt unsere Solidarit\u00e4t nicht nur den von Ausbeutung betroffenen nichtmenschlichen Tieren, sondern auch den von Ausbeutung betroffenen menschlichen Tieren, wie im vorliegenden Fall den ehemaligen Mitarbeiter_innen des \u201eSfizy Veg&#8217;s\u201c. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Befreiung von Mensch und Tier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gegebenen Anlass ver\u00f6ffentlichen wir einen kurzen Text zur Problematik im Umgang mit (ehemaligen) Mitarbeiter_innen des &#8222;Sfizy Veg&#8220; und verweisen auf die von der FAU organisierte Demonstration,&#8220;Gewerkschaftsfreiheit statt Klassenjustiz&#8220;, am 04.06.2016, um 14 Uhr am Hackeschen Markt in Berlin Mitte. &hellip; <a href=\"https:\/\/berta-online.org\/?p=3213\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-3213","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3213"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3225,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3213\/revisions\/3225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}