{"id":69,"date":"2010-08-27T14:51:49","date_gmt":"2010-08-27T12:51:49","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=69"},"modified":"2010-09-01T01:06:10","modified_gmt":"2010-08-31T23:06:10","slug":"befreiung-hort-nicht-beim-menschen-auf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=69","title":{"rendered":"Befreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf!"},"content":{"rendered":"<h2>Befreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf!<\/h2>\n<h3>Nachbetrachtung zur Veranstaltungsreihe &#8222;Befreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf&#8220; in Berlin.<\/h3>\n<p><strong>Im November und Dezember 2005 lief in Berlin die Veranstaltungsreihe \u201eBefreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf\u201c \u00fcber die B\u00fchne. Jeweils einmal w\u00f6chentlich lud die Berliner Tierrechtsaktion zu insgesamt sieben Veranstaltungen ein. So viel vorweg: Wir, die Vorbereitungsgruppe, werten die Vortragsreihe als Erfolg. Um die 40 Personen fanden sich jeden Mittwoch im WAF-Salon ein, verfolgten die Darstellungen der ReferentInnen und diskutierten die Ausf\u00fchrungen im Anschluss.<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorfeld stand erst einmal die \u00dcberlegung im Raum, \u00fcber Infoveranstaltungen Theorie und Praxis der Tierbefreiungsbewegung zur Diskussion zu stellen, \u201eneue\u201c Menschen anzusprechen und nicht zuletzt auch dazu zu motivieren, sich f\u00fcr die Befreiung nicht-menschlicher Tiere einzusetzen. Uns war von Anfang an klar, dass wir den ganzen Themenkomplex Tierbefreiung, Speziesismus und das Verh\u00e4ltnis von Menschen und Tieren nicht in eine einzige Veranstaltung packen konnten. Zumal wir der \u00dcberzeugung sind, dass dies dem Ideenpluralismus, den verschiedenen Ans\u00e4tzen und Zug\u00e4ngen innerhalb der \u201eBewegung\u201c auch nicht gerecht werden w\u00fcrde. So luden wir ReferentInnen aus sehr unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen ein, die aus ihrem jeweiligen Blickwinkel berichten konnten, insgesamt kamen so sieben Veranstaltungen mit sehr verschiedenen Themen zusammen.<\/p>\n<p>Um die Vortragsreihe abwechslungsreich zu gestalten, hatten wir uns daf\u00fcr entschieden, Veranstaltungen mit eher theoretischerem Inhalt und bodenst\u00e4ndigen Themen abwechseln zu lassen, um auch unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden. Zu Beginn gab Sebastian Schubert eine Einf\u00fchrung in den Tierbefreiungsgedanken, womit auch Menschen, die keinen oder wenig Bezug zum Thema haben, ein grundlegender Einblick in die Gedankenwelt der TierbefreierInnen und TierrechtlerInnen gegeben werden sollte. In den folgenden Veranstaltungen wurde auch recht schnell klar, dass eine Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier Verh\u00e4ltnis \u00fcber ein verk\u00fcrztes \u201eF\u00fcr die Tiere\u201c hinausgehen muss. Georg Hemprich machte in seiner Gegenrede zur Jagd deutlich, dass die Forderung nach deren Abschaffung nicht an einem radikalen Umdenken in Bezug auf \u00d6kologie vorbeigehen kann.<\/p>\n<p>Auch Melanie Bujok strich in ihren Ausf\u00fchrungen zur Funktionalisierung der K\u00f6rper von Frauen und Tieren f\u00fcr bestimmte gesellschaftliche Zwecke heraus, dass es zwischen der Unterdr\u00fcckung von Menschen und Tieren \u00dcberschneidungen gibt, welche nicht voneinander getrennt aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnten. Im folgenden gaben Franziska Brunn und Thomas Schaldach kritische Anmerkungen zur Instrumentalisierung von nicht-menschlichen Tieren im Bereich von Tierversuchen und Kevin Kroemmer stellte dem das Konzept der Direkten Aktion und der Animal Liberation Front gegen\u00fcber, womit auch konkrete Handlungsperspektiven aufgezeigt wurden.<\/p>\n<p>Sven Wirth machte zuvor deutlich, dass es auch einer Auseinandersetzung mit Macht und Sprache sowie mit dualistischer Wirklichkeitskonstruktion bedarf, um eine Kritik der Naturbeherrschung und der Ausbeutung nicht-menschlicher Tiere zu entwickeln. Hieran kn\u00fcpfte auch Susan Witt-Stahl in der letzten Veranstaltung in ihrer antispeziesistischen Kritik der verk\u00fcrzten Herrschaftskritik an. Eine Kritik am Prinzip der Herrschaft kann nicht an gesellschaftlich konstruierten Grenzen halt machen. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine wahrhaft befreite Gesellschaft m\u00fcsse auch die Befreiung der Tiere mit einschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wir hatten uns im Vorfeld das Ziel gesetzt, m\u00f6glichst viele Menschen anzusprechen, uns war aber bewusst, dass die eher theoretischen Themen ganz konkret Vorwissen voraussetzen, welches wir aber \u00fcber die Einf\u00fchrungsveranstaltung vermitteln wollten. In der Nachbetrachtung wurde deutlich, dass es dennoch BesucherInnen gab, die mit dem teils universit\u00e4ren Niveau nicht viel anfangen konnten. Wir w\u00fcrden es jetzt als sinnvoll erachten, st\u00e4rker auf die ReferentInnen einzuwirken, schwierige Sachverhalte m\u00f6glichst nachvollziehbar zu vermitteln und auf eine Verst\u00e4ndlichkeit der Vortr\u00e4ge, insbesondere im Hinblick auf verwendete wissenschaftliche Termini zu achten.<\/p>\n<p>Einige Schwierigkeiten bei der Organisation der Vortragsreihe zeigten sich bei der Suche nach geeigneten R\u00e4umlichkeiten. Wir haben den Anspruch verfolgt, offene, linke R\u00e4ume zu nutzen, um diese zu unterst\u00fctzen und auch um entsprechendes Publikum anzusprechen. Dabei wollten wir aber auch darauf achten, Menschen aus anderen Zusammenh\u00e4ngen nicht zu verschrecken. Unsere erste Wahl fiel auf die Yorck59, ein alternatives Hausprojekt, welches jedoch kurze Zeit sp\u00e4ter ger\u00e4umt wurde. Auch der Offenen Uni in Berlin drohten zugunsten eines Life Science Zentrums (Tierversuche!) die Vertr\u00e4ge gek\u00fcndigt zu werden. Letztendlich sind wir im WAF-Salon gelandet und waren im Nachhinein sehr zufrieden. Die Gr\u00f6\u00dfe der R\u00e4ume wurde der Anzahl der BesucherInnen gerecht und der WAF-Salon wurde zudem von BesucherInnen wie ReferentInnen als sehr angenehm empfunden. Im wahrsten Sinne des Wortes als g\u00fcnstig erwies sich auch, dass wir selbst den Tresendienst \u00fcbernahmen. So bekamen wir zus\u00e4tzlich zu den Spenden auch \u00fcber verkaufte Getr\u00e4nke w\u00e4hrend und nach den Veranstaltungen Geld f\u00fcr die Finanzierung der Druckkosten und der Fahrtkosten der Referierenden.<\/p>\n<p>Was uns von vielen als sehr positiv angerechnet wurde, war der Versuch, \u00fcber klare Regeln die Diskussion in Anschluss an die Vortr\u00e4ge in sachliche Auseinandersetzungen zu lenken. Eine Person \u00fcbernahm jeweils die Moderation und stellte zu Beginn der Diskussion klar, wie wir uns diese vorstellten: Ohne verbale Angriffe und sonstige Herabsetzungen, daf\u00fcr die Aufforderung, anderen nicht ins Wort zu fallen, die Redeliste einzuhalten und selbst auf die L\u00e4nge der Beitr\u00e4ge zu achten. Die Diskussionen liefen dann auch sehr entspannt ab und wurden von vielen Anwesenden und auch den Referierenden als sehr konstruktiv empfunden.<\/p>\n<p>Insgesamt sind wir der \u00dcberzeugung, dass sich der Aufwand sehr gelohnt hat. Diejenigen, die regelm\u00e4\u00dfig die Veranstaltungen besuchten, lie\u00dfen sich eben nicht blo\u00df an der sprichw\u00f6rtlichen einen Hand abz\u00e4hlen. Das erschien uns insofern erfreulich, als dass die Vortragsreihe in ihrer Form anscheinend von vielen genutzt wurde, um sich kontinuierlich mit dem Themenfeld auseinander zu setzen. Zudem hatten wir augenscheinlich zahlreiche Menschen angesprochen, die wir gar nicht aus \u201eunseren\u201c Zusammenh\u00e4ngen kannten. Besonders hat es uns auch gefreut zu h\u00f6ren, dass sich im Anschluss an die Veranstaltung zur Jagd spontan ein Arbeitskreis zusammengefunden hat, der (so viel k\u00f6nnen wir an dieser Stelle vorweg nehmen) in Zukunft theoretisch wie auch praktisch gegen Jagd arbeiten wird.<\/p>\n<p>Grund sich zur\u00fcckzulehnen bleibt f\u00fcr die Leute in der Vorbereitungsgruppe in den n\u00e4chsten Wochen dennoch nicht. Wir haben uns noch das Ziel gesetzt, die Beitr\u00e4ge der ReferentInnen der Vortragsreihe, in einem Reader zusammenzutragen und so auch einen schriftlichen \u00dcberblick \u00fcber die Spannweite der Tierbefreiungsbewegung zu geben.<\/p>\n<p>Vorbereitungsgruppe der Veranstaltungsreihe<br \/>\n\u201eBefreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf!\u201c<\/p>\n<p>Wer fragen hat, Anregung oder Unterst\u00fctzung f\u00fcr \u00e4hnliche Projekte sucht oder auch Kritik loswerden will, kann sich bei uns melden: vortragsreihe@gmx.net<br \/>\nDer Aufruf zur Vortragsreihe und die Kurzbeschreibungen der Referate, sowie ein Text der AG Gender Killer zur Diskussionskultur sind unter www.vortragsreihe.tk abrufbar.<\/p>\n<p><small>Dieser Text erschien in &#8222;Tierbefreiung &#8211; Das Aktuelle Tierrechtsmagazin.&#8220; <\/small><br \/>\n<small>Herausgegeben von &#8222;die tierbefreier e.V.&#8220;, Ausgabe 50, M\u00e4rz 2006.<\/small><\/p>\n<p><small><a href=\"http:\/\/www.tierbefreier.de\/tierbefreiung\/index\/index.html\">Hier gibt es weitere Informationen zum Magazin \u201eTierbefreiung\u201c<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Befreiung h\u00f6rt nicht beim Menschen auf! 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