{"id":62,"date":"2010-08-27T14:49:25","date_gmt":"2010-08-27T12:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=62"},"modified":"2010-08-29T17:31:46","modified_gmt":"2010-08-29T15:31:46","slug":"die-dinge-beim-namen-nennen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=62","title":{"rendered":"Die Dinge beim Namen nennen"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>Die Dinge beim Namen nennen<\/h2>\n<h3>Ein Interview zur Umbenennung der BerTA<\/h3>\n<p><strong>Tierrechte, Tierbefreiung, Antispeziesismus. Unter diesen Begriffen  finden sich Menschen zusammen, die sich f\u00fcr die Abschaffung der  allgegenw\u00e4rtigen Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren einsetzen. Mit  den Begriffen sind unterschiedliche \u00dcberlegungen, Konzepte und  Zielsetzungen verbunden. Aus aktuellem Anlass f\u00fchrte die Tierbefreiung  ein Interview mit Katrin und Jens, zwei Aktivist_innen der  \u201eBerliner-Tierbefreiungs-Aktion\u201c (BerTA). Denn bis vor kurzem stand die  Abk\u00fcrzung BerTA noch f\u00fcr \u201eBerliner-Tierrechts-Aktion\u201c. In einer  ausf\u00fchrlichen Stellungnahme wird die Umbenennung begr\u00fcndet. F\u00fcr uns ein  Grund etwas genauer nachzufragen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Ihr habt euch vor kurzem umbenannt. Wie seid ihr auf die Idee der Umbenennung gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Wir versp\u00fcrten ein gewisses Unwohlsein mit dem Begriff \u00abRecht\u00bb.  Das h\u00e4ngt zum einen mit einer Kritik an juristischen Rechtsvorstellungen  zusammen. Also bei den juristischen Forderungen geht es um die  gesetzliche Festschreibung von einzuhaltenden Regelungen in Bezug auf  den Umgang mit nichtmenschlichen Tieren. Es geht darum Transportzeiten  zu begrenzen, Mindeststandards f\u00fcr Gehege oder K\u00e4fige aufzustellen oder  ein g\u00e4nzliches Verbot von Tiernutzung zu erreichen. Die Problematik  liegt da in der Best\u00e4tigung bestehender gesellschaftlicher  Ordnungsvorstellungen. Ein zweites Verst\u00e4ndnis von \u00abTierrechten\u00bb nimmt  dagegen Bezug auf moralisch richtiges Handeln. Das hei\u00dft, von Menschen  wird gefordert die Rechte von nichtmenschlichen Tieren anzuerkennen.  Damit einher geht aber, dass gesellschaftliche Strukturen nicht in den  Blick genommen werden, weil es eher um die Ver\u00e4nderung von Verhalten  einzelner Menschen geht. Wir versuchen \u00fcber unsere politische Praxis  aber gerade gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Jens: Es l\u00e4sst sich auch so sagen: Die rechtliche Stellung von Tieren zu  ver\u00e4ndern oder den moralischen Zeigefinger zu erheben, geht uns einfach  nicht weit genug. Unser Ziel ist es, nichtmenschliche Tiere aus einer  sozialen Stellung zu befreien, in der sie als minderwertig und verf\u00fcgbar  gelten. Das ist die Zielsetzung unter der wir politische Arbeit machen  wollen und \u201eTierbefreiung\u201c verleiht diesen \u00dcberzeugungen den besten  Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: F\u00fcr die meisten Menschen erscheinen die Begriffe  Tierbefreiung und Tierrechte eher als Synonyme. So oder so, es geht um  die Abschaffung der Nutzung von nichtmenschlichen Tieren, k\u00f6nnte man  meinen. Ihr seht das offensichtlich anders.<\/strong><\/p>\n<p>Jens: N\u00f6\u00f6. Ich denke auch, dass es auch bei Tierrechtskonzepten in der  Regel um eine Abschaffung von Tierausbeutung geht. Es gibt aber  Unterschiede und die liegen auch nicht mal im Detail, wie es so sch\u00f6n  hei\u00dft. Das sind stellenweise fundamentale Unterschiede. Als erstes  stehen hinter den Konzepten unterschiedliche Vorstellungen, wie  gesellschaftliche Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnisse zu denken sind. Zum zweiten  wird die Frage, was mensch eigentlich ver\u00e4ndern will, unterschiedlich  beantwortet. Und zum dritten geht es auch um unterschiedliche  Handlungsstrategien.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Ihr habt eingangs ja von einer Kritik an ethischen \u00dcberlegungen gesprochen. K\u00f6nnt ihr das vielleicht ausf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Tierrechtskonzeptionen, die ethisch vern\u00fcnftiges Handeln in den  Mittelpunkt ihrer \u00dcberlegungen stellen, interessieren sich so gut wie  nicht f\u00fcr die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Es wird also nicht danach  gefragt, welche Merkmale Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnisse haben, wie sie  reproduziert werden, welche Tierbilder es gibt und wie sich diese  ver\u00e4ndern. Stattdessen wird meistens an pers\u00f6nliche Verhaltensweisen und  Entscheidungen appelliert. Die_der Einzelne sollte sich ver\u00e4ndern. Das  ist durchaus ein Aspekt der Abschaffung von Tierausbeutung.  Gesellschaftliche Denkmuster, Strukturen, Wahrnehmungsweisen fallen  damit aber aus dem Blick. Und die beeinflussen Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnisse  genauso wie der Griff nach den Wurst- oder K\u00e4sescheiben im K\u00fchlregal des  nahegelegenen Supermarkts. Wenn also, wie bei Tierrechtskonzepten,  Entscheidungen einzelner Individuen \u00fcberdacht werden sollen, dann macht  es auch Sinn sich mit jenen zu besch\u00e4ftigen. Aber nochmal:  Tierausbeutung ist keine Problematik Einzelner. Es reicht nicht einzelne  Leute zu \u00fcberzeugen. Es muss aus unserer Sicht darum gehen,  gesellschaftlich relevante Bedeutungen von Menschen und  nichtmenschlichen Tieren zu analysieren und entsprechend zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: W\u00fcrdet ihr nicht auch sagen, dass Tierrechte eine sinnvolle Erweiterung des Tierschutzgedanken darstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Jens: Das w\u00fcrde ich auch so sehen, dass Tierrechte eine sinnvolle  Erweiterung des Tierschutzes darstellen. W\u00e4hrend Tierschutz ja nur  Verbesserungen von Haltungsbedingungen einforderte, sollten Tierrechte  unver\u00e4u\u00dferliche Anspr\u00fcche auf ein unversehrtes Leben f\u00fcr  nichtmenschliche Tiere erm\u00f6glichen. Dass wir Rechte von Tieren  anerkennen sollen, ist eine Position, die vor allem von  Rechtsphilosoph_innen begr\u00fcndet wurde. Die Forderungen sind ja nicht  schlecht. Problematisch finden wir es, wie sie zu ihren Forderungen  kommen. Tom Regan sagt bspw., dass Tiere per se \u201eSubjekte eines Lebens\u201c  sind und daher moralische Ber\u00fccksichtigung erfahren m\u00fcssen. Peter Singer  glaubt, dass manche nichtmenschliche Tiere als \u201ePersonen\u201c erachtet  werden sollten, weil sie leidens- und bewusstseinsf\u00e4hige Wesen sind und  deshalb bei der von Maximierung von Gl\u00fcck bzw. der Vermeidung von Leid  zu ber\u00fccksichtigen seien. Was beide jeweils inhaltlich meinen, spielt  gar nicht mal so die Rolle. Entscheidend ist, dass sich beide auf  vermeintliche Tatsachen berufen. Das hei\u00dft sie glauben sich im Besitz  der allein g\u00fcltigen Erkenntnis, was bei Tierausbeuter_innen auch nicht  anders ist. Sie fragen nicht nach dem Zustandekommen dessen, was sie f\u00fcr  falsch halten und sie fragen sich auch nicht selbst, wo ihre  Erkenntnisse herr\u00fchren. Es ist deshalb auch wenig mehr drin, als sich  \u00fcber eine bestimmte Behandlung von nichtmenschlichen Tieren zu emp\u00f6ren  und den moralischen Zeigefinger zu erheben, mit dem gefordert wird,  endlich zur Vernunft zu kommen und die Dinge, wie sie sind,  anzuerkennen. Mehr kann eine ethisch inspirierte Kritik \u2013 wie sie im  Allgemeinen von Tierrechtler_innen vertreten wird &#8211; nicht leisten. Die  weitaus interessantere Frage w\u00e4re doch eher, wie Gesellschaften  Tatsachen oder Wahrheiten hervorbringen bzw. allgemeiner, wie Wissen  hervorgebracht wird. Das ist eine ganz andere Frage als sie  Tierrechtler_innen in der Regel stellen.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Um auf eure Kritik an juristischen Forderungen Bezug  zu nehmen. Es klingt doch aber erstmal ganz gut, wenn nichtmenschliche  Tiere mehr Platz bekommen oder nicht stundenlang durch die Gegend  gefahren werden. Das bedeutet sicherlich noch nicht die Abschaffung von  Tierausbeutung. Aber was spricht eurer Meinung nach gegen eine  Gesetzesversch\u00e4rfung?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Sicherlich kann durch Gesetzesversch\u00e4rfungen den Tieren geholfen  werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass irgendwann in den  Gesetzestexten stehen wird, dass nichtmenschliche Tiere nicht gegessen  werden d\u00fcrfen, dass keine Experimente an ihnen durchgef\u00fchrt werden  d\u00fcrfen oder dass sie f\u00fcr Unterhaltungszwecke verwendet werden d\u00fcrfen.  Die Frage ist nur, ob ich das so will. Also ich meine, ob ich es  begr\u00fc\u00dfen soll, wenn es auf diese Weise passiert. Ich sehe daran n\u00e4mlich  das Problem, dass damit Institutionen gest\u00fctzt werden, die aus unserer  Sicht Teil des Problems sind. Die gleichen Beh\u00f6rden, \u00c4mter, Gerichte,  Polizist_innen, die dann Rechte f\u00fcr nichtmenschliche Tiere umsetzen,  sind gegenw\u00e4rtig an Tierausbeutung beteiligt und setzen diese auch gegen  Widerst\u00e4nde durch. Selbstverst\u00e4ndlich lie\u00dfe sich einwenden, dass sich  solche Einrichtungen auch ver\u00e4ndern k\u00f6nnten. Aber eigentlich sind sie  nur dazu da, die bestehenden Strukturen aufrecht zu erhalten.  Tierausbeutung \u00fcber eine Ver\u00e4nderung staatlicher Institutionen  herbeif\u00fchren zu wollen, ist daher eher nicht der M\u00fche wert.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Ihr habt am Anfang auch gesagt, dass es euch um die  Ver\u00e4nderung von Verh\u00e4ltnissen geht. Nun werden mit der \u00dcberarbeitung von  Gesetzen auch Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndert. Ihr meint aber, dass  Tierausbeutung oder Speziesismus damit nicht \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.  Kann man das so sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Was nun die Problematisierung der Rechtsstaatlichkeit anbelangt,  also die Aufnahme von Tierrechten in Gesetzestexte oder sowas, l\u00e4sst  sich wahrscheinlich am besten an einem Beispiel verdeutlichen. Dass es  Mieter_innenrechte gibt, ist sicherlich eine gute Sache. Wenn Leute  nicht einfach aus Wohnungen geschmissen werden k\u00f6nnen, weil es  K\u00fcndigungsfristen gibt, bietet das Sicherheit. Aber gleichzeitig wird  mit der Verrechtlichung des Mietens von Wohnungen das Verh\u00e4ltnis  zwischen Mieter_innen und Vermieter_innen festgeschrieben. Es wird  festgelegt, wer was darf und was nicht. In diesem Rahmen ist dann  allerdings auch kein Raum mehr, um andere Interessen durchzusetzen.  Wohnen hei\u00dft deshalb auch immer Miete zahlen oder wer es sich leisten  kann, kauft sich eine Wohnung. Keine Miete zu zahlen und daher auch  nicht f\u00fcr die Miete arbeiten gehen zu m\u00fcssen, ist aber nicht drin. Mit  dem Besitz von Immobilien Geld zu verdienen und f\u00fcr das Dach \u00fcberm Kopf  Miete zu zahlen, sind dann ganz normale Vorg\u00e4nge. Sie sind akzeptierter  Teil gesellschaftlicher Strukturen, bei denen es v\u00f6llig unerheblich ist,  ob damit Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden. Und das ganze geht einher mit  Obdachlosigkeit und Verdr\u00e4ngung aus Wohngebieten. Was hat das nun mit  Tierbefreiung zu tun? Die Abschaffung von Tierausbeutung zu fordern,  geht ja erstmal nur innerhalb einer Gesellschaft, die nichtmenschliche  Tiere ausbeutet. Wie das Mietbeispiel zeigt, werden gegens\u00e4tzliche  Interessen aber nicht aufgel\u00f6st, sondern miteinander arrangiert.  Tierrechte bringen also keine Abschaffung. Es wird lediglich dazu  kommen, dass neue Standards der Tierausbeutung festgelegt werden.<\/p>\n<p>Jens: Es k\u00f6nnte aber schon einen Diskussionsprozess in Gang setzen. Das  darf nicht vergessen werden. Nur ist das dann eigentlich nix  Juristisches mehr. Denn es w\u00fcrde dann ja eben um Begr\u00fcndungen f\u00fcr die  jeweiligen Positionen gehen. Und das wollen wir ja eigentlich erreichen.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: In eurer Stellungnahme schreibt ihr, dass es einer  Gesellschaftskritik bedarf, um das Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis zu ver\u00e4ndern.  Inwiefern geht das Konzept der \u201eBefreiung der Tiere\u201c hier weiter als  Forderungen nach Tierrechten?<\/strong><\/p>\n<p>Jens: Zun\u00e4chst ist der Ausgangspunkt des Konzepts \u00bbTierbefreiung\u00ab,  nichtmenschliche Tiere als Teil von gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen zu  verstehen. Und innerhalb dieser Verh\u00e4ltnisse werden ihnen bestimmte  Stellungen sowie Bedeutungen zugewiesen und mit Umgangsweisen verkn\u00fcpft.  Es gilt also die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und Strukturen zu  analysieren und zu kritisieren, die nichtmenschliche Tiere erst zu dem  machen, wof\u00fcr sie gehalten werden. Sie   erscheinen dann als triebhaft,  passiv an ihre Umwelt angepasst, als Naturwesen oder im Vergleich zu  Menschen als minderwertig. Im Gegensatz dazu gelten Menschen als  vern\u00fcnftig, aktive Gestalter_innen ihrer Umwelt, Kulturwesen oder als  die h\u00f6chst entwickelte Spezies auf Erden. Diese ganzen Merkmale, die das  gegenw\u00e4rtig vorherrschende Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis bestimmen, werden  innerhalb von Tierrechtskonzepten nicht, oder sagen wir kaum,  untersucht. Und deshalb interessieren sich Tierrechtler_innen auch wenig  f\u00fcr die Mechanismen, die diese Merkmale herstellen. Damit ist sowas wie  Sprache, Wissenschaft oder Sozialisation gemeint.<\/p>\n<p>Katrin: Um das vielleicht noch einmal zu verdeutlichen: Dass Menschen es  als ihr gutes Recht wahrnehmen nichtmenschliche Tiere zu nutzen, h\u00e4ngt  untrennbar damit zusammen, wie das Zusammenleben hier gerade  funktioniert. Es ist ja im wahrsten Sinne des Wortes Recht und Gesetz  nichtmenschliche Tiere als Eigentum zu betrachten und sie der Willk\u00fcr  auszuliefern. Und es sind ja nicht nur einfach Einstellungen und  fehlendes Wissen, die zu Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung von  nichtmenschlichen Tieren f\u00fchren. Ich w\u00fcrde da auch klar kapitalistische  Produktionsverh\u00e4ltnisse als Teil des Problems benennen. Diese richten  sich ja nicht nach Bed\u00fcrfnissen, weder von Menschen noch von  nichtmenschlichen Tieren. Wir k\u00f6nnen uns nicht nur mit Strukturen des  Speziesismus besch\u00e4ftigen, da diese im Zusammenhang mit anderen  Herrschaftsverh\u00e4ltnissen wie bspw. Rassismus oder Sexismus stehen. Das  hei\u00dft gesellschaftliche Denkformen, die Vorstellungen der  Minderwertigkeit erst hervorbringen, genauso wie die eben genannten  gesellschaftlichen Prozesse, m\u00fcssen Teil der Kritik sein. Diese muss  eine politische Praxis in den Blick nehmen. Und das wird doch erst  m\u00f6glich, wenn wir davon sprechen, welche soziale Stellung  nichtmenschlichen Tieren zugewiesen wird. Das geht weit \u00fcber das hinaus,  was so unter \u201eTierrechten\u201c verstanden wird.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Die Frage stellt sich aber, was aus diesen  \u00dcberlegungen folgt. Wie sollte eine politische Praxis von  Tierbefreiungsgruppen aussehen, die diesen Anspr\u00fcchen gerecht wird?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Wir k\u00f6nnen uns nicht damit begn\u00fcgen, moralisch richtiges Handeln  zu fordern. Wir m\u00fcssen nach den Ursachen f\u00fcr unser Handeln fragen.  Daf\u00fcr sind erst einmal Gesellschaftsanalysen vonn\u00f6ten, um zu schauen,  was denn die Bedingungen sind, die Tierausbeutung \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen,  um diese dann auch anzugehen. Einige Aspekte hatten wir schon genannt:  Andere Tierbilder m\u00fcssen wirkm\u00e4chtig werden. Sie m\u00fcssen eine Relevanz  bekommen, die dazu f\u00fchrt, dass sich Denkmuster ver\u00e4ndern und  Handlungsweisen \u00e4ndern. Das hei\u00dft auf die Debatten Einfluss zu nehmen,  wo immer wieder versucht wird die Minderwertigkeit von nichtmenschlichen  Tieren zu begr\u00fcnden. Und wenn wir sagen, wir wollen auf strukturelle  Bedingungen Einfluss nehmen, die in die Ausbeutung von nichtmenschlichen  Tieren f\u00fchren, dann hei\u00dft das auch, Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnisse nicht im  luftleeren Raum zu betrachten. Wenn Rechtsstaatlichkeit Teil des  Problems ist, dann muss hier auch eine Kritik ansetzen. Zudem st\u00fctzen  sich verschiedene Herrschaftsverh\u00e4ltnisse gegenseitig. Da muss geguckt  werden, wo gemeinsame Handlungsstrategien mit anderen sozialen  Bewegungen m\u00f6glich und notwendig sind, um Ver\u00e4nderungen zu erreichen.<\/p>\n<p>Jens: Aus den \u00dcberlegungen folgt auch, dass die eigene politische Praxis  reflektiert wird. Wir sollten uns also fragen, ob man mit bestimmten  Aktionsformen zur Ver\u00e4nderung des Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnisses beitr\u00e4gt und  auch, ob man durch bestimmte Herangehensweisen nicht Bedingungen  st\u00fctzt, die zur Ausbeutung von Tieren f\u00fchren. Da sehen wir bei  Forderungen nach anderen Gesetzen klare Grenzen, um nur ein Beispiel zu  nennen. Mit der Umbenennung werden wir aber unsere Arbeit nicht \u00fcber den  Haufen werfen und jetzt etwas komplett anderes machen. Wenn wir uns an  Kampagnen beteiligen, dann nicht, weil wir an das  Verantwortungsbewusstsein von irgendwelchen Konzernmanagern appellieren,  sondern weil wir denken, dass wir damit einen Beitrag liefern k\u00f6nnen,  bestimmte Tierausbeutungsindustrien zu beenden und damit zur Befreiung  der Tiere beizutragen. Das sollte dann aber auch so vermittelt werden.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Ihr habt eure Umbenennung ja nicht gerade  klammheimlich \u00fcber die B\u00fchne gebracht, sondern bewusst die  Szene\u00f6ffentlichkeit gesucht. Warum ist euch eine Debatte um theoretische  \u00dcberlegungen und Handlungsgrundlagen so wichtig? Oder anders  formuliert: Was k\u00f6nnen andere Gruppen davon haben, sich ebenfalls \u00fcber  diese Themen Gedanken zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Katrin: Also erst einmal geht es uns nicht darum, hier irgendwen  vorzuf\u00fchren. Also Gruppen zu unterstellen, sie h\u00e4tten bestimmte Aspekte  nicht mitgeschnitten und uns \u00fcber sie zu erheben. Wir teilen ja mit den  meisten Gruppen das Ziel, Tierausbeutung zu beenden und suchen nach  gemeinsamen Handlungsm\u00f6glichkeiten. Wie man dieses Ziel erreichen kann,  h\u00e4ngt aber davon ab, welche Problemanalysen, Zielsetzungen und  Strategien man w\u00e4hlt. Hierf\u00fcr sind Diskussionen notwendig, die wir auch  mit anderen Gruppen f\u00fchren. Wir sind da auch durchaus streitbar und  w\u00fcrden uns freuen, wenn wir zu entsprechenden Diskussionsprozessen  anregen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Tierbefreiung: Das ist doch ein gutes Schlusswort. Vielen Dank f\u00fcr  das aufschlussreiche Gespr\u00e4ch. Wir hoffen bald wieder von euch zu h\u00f6ren.<\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dinge beim Namen nennen Ein Interview zur Umbenennung der BerTA Tierrechte, Tierbefreiung, Antispeziesismus. 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