{"id":48,"date":"2010-08-27T14:44:28","date_gmt":"2010-08-27T12:44:28","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=48"},"modified":"2010-08-29T17:28:40","modified_gmt":"2010-08-29T15:28:40","slug":"wie-schreibe-ich-gefangenen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=48","title":{"rendered":"Wie schreibe ich Gefangenen?"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>Wie schreibe ich Gefangenen?<\/h2>\n<p>Eines der Hauptprobleme, das Leute davon abh\u00e4lt Inhaftierten zu schreiben,  ist da\u00df sie es nicht gewohnt sind einer fremden Person zu schreiben. Leute  glauben nicht zu wissen, was sie sagen sollen; sie glauben es gibt Dinge  \u00fcber die sie nicht reden k\u00f6nnen, oder denken, da\u00df Gefangene nicht daran  interessiert sind was sie zu sagen haben. Nun, es handelt sich dabei um ein  Problem, das die meisten von uns \u00fcberwinden m\u00fcssen, deshalb haben wir hier  einige Vorschl\u00e4ge zusammengestellt. Nat\u00fcrlich handelt es sich nicht um  starre Richtlinien, und wir geben auch keinesfalls vor alle Probleme gel\u00f6st  zu haben. Unterschiedliche Menschen schreiben eben auch unterschiedliche  Briefe. Hoffentlich werden diese Tips hier doch einige anregen in  Briefkontakt mit inhaftierten Revolution\u00e4rInnen und AnarchistInnen zu  treten.<\/p>\n<p><strong>Einige wichtige Dinge<\/strong><\/p>\n<p>Einzelne Haftanstalten begrenzen die Anzahl der Briefe, welche einE  GefangeneR schreiben oder erhalten darf. Die Inhaftierten werden wom\u00f6glich  die Briefmarken und die -umschl\u00e4ge selber kaufen m\u00fcssen, und die meisten  sind sicherlich keine Million\u00e4rInnen. Deshalb erwarte nicht unbedingt eine  Antwort auf deinen Brief oder deine Karte. Einige Gef\u00e4ngnisse erlauben, da\u00df  Briefmarken oder frankierte Umschl\u00e4ge mit der Post hinein geschickt werden.  In solchen F\u00e4llen ist es wohl am besten dies mit der jeweiligen  Anstaltsleitung oder dem\/der betreffenden Gefangenen zu kl\u00e4ren. Briefe werde auch aufgehalten, gelesen, verz\u00f6gert oder gar &#8222;verlegt&#8220;. Wenn  du glaubst, da\u00df ein Brief von der Knastaufsicht aus dem Verkehr gezogen  worden ist, frage am besten gleich nach dem Grund dieser Zensur. Sicherer  sind nat\u00fcrlich eingeschriebene Briefe, weil diese in der Regel in  Anwesenheit des\/der Gefangenen ge\u00f6ffnet werden m\u00fcssen. Aber eine 100%  Sicherheit gibt es leider wirklich nie.<\/p>\n<p>Auf deinen Briefumschlag solltest du stets die Adresse des\/der AbsenderInnen  draufschreiben, nicht nur damit der\/die Inhaftierte dir antworten kann,  sondern auch weil einige Gef\u00e4ngnis keine Briefe ohne AbsenderIn durchlassen.  Nat\u00fcrlich mu\u00df dies nicht unbedingt deine eigene Adresse sein, aber achte  darauf, da\u00df Postfach Adressen sehr gerne nicht akzeptiert werden.<\/p>\n<p><strong>Zum ersten Mal schreiben<\/strong><\/p>\n<p>Sage wer du bist, und wenn n\u00f6tig welcher Gruppe\/Organisation du angeh\u00f6rst.  Ob du dich eingehender vorstellen m\u00f6chtest, ist dir alleine \u00fcberlassen, du  mu\u00dft eben nur bedenken, da\u00df die Briefe auch von den staatlichen Autorit\u00e4ten  gelesen werden. Sage vielleicht auch in deinem ersten Brief ein paar kurze  Worte zu deiner politischen Einstellung, so da\u00df der\/die Gefangene  entscheiden kann, ob er\/sie mit dir in Kontakt bleiben m\u00f6chte. Sage wo und wann du von seinem\/ihrem Fall geh\u00f6rt oder gelesen hast. Versuche diesen ersten Brief recht kurz zu halten und nur die n\u00f6tigsten  Sachen zu schreiben, weil es besser ist die Leute nicht beim ersten Mal zu  \u00fcberw\u00e4ltigen. Au\u00dferdem begrenzen einige Vollzugsanstalten den Umfang der  Briefe. Ratsam sind demnach Briefe bis zu 4 DIN A4 Seiten. Sobald sich der  Briefkontakt zwischen euch beiden &#8222;eingespielt&#8220; hat, werdet ihr euch mehr zu  erz\u00e4hlen haben.<\/p>\n<p>Wenn du einem\/einer politischen Gefangenen schreibst und du ihn\/sie f\u00fcr  unschuldig h\u00e4ltst, so erw\u00e4hne dies auch kurz, weil es ihnen das wichtige  Gef\u00fchl vermittelt, da\u00df du an sie glaubst.<\/p>\n<p>Viele, die Gefangenen schreiben, haben Angst \u00fcber Dinge aus ihrem eigenen  Leben zu sprechen, was sie so tun und denken usw., weil sie glauben, da\u00df es  die Inhaftierten deprimieren k\u00f6nnte oder, da\u00df diese gar nicht daran  interessiert sind. In einigen F\u00e4llen mag dies wohl zutreffend sein, aber  insgesamt kann ein Brief der hellste Punkt eines Tages hinter Gittern  ausmachen. Das Leben im Knast ist tot langweilig, und jegliche Nachricht die  etwas Licht bringt, egal ob sie von einer bekannten oder unbekannten Person  kommt, ist stets willkommen. Besonders wenn du sie nicht vor ihrem  Haftantritt gekannt hast, m\u00f6chten sie mehr \u00fcber dich wissen, wie dein Leben  aussieht usw. Benutze deinen Verstand und dein Mitgef\u00fchl, und schreibe \u00fcber  nichts was den\/die GefangeneN in Schwierigkeiten mit der Anstaltsleitung  bringen k\u00f6nnte, oder irgendwem anderen Probleme mit der Staatsmacht bereiten  k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Sie sind dort drinnen f\u00fcr uns, wir sind hier drau\u00dfen f\u00fcr sie<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Gefangenen aus unserer Bewegung, unseren Zusammenh\u00e4ngen und unseren  K\u00e4mpfen (wie z.B. Streiks, Kriegsdienstverweigerung, Mitglieder aus  revolution\u00e4ren Gruppen usw.), also so ziemlich alle politischen H\u00e4ftlinge,  ist es enorm wichtig sie in den weitergehenden Widerstand miteinzubeziehen,  das hei\u00dft ihnen von Aktionen zu erz\u00e4hlen, ihnen Zeitschriften zu schicken  wenn sie diese wollen und mit ihnen Strategien und Ideen zu diskutieren.  Einige wollen sicherlich nichts mehr von Klassenkampf und Revolution h\u00f6ren,  und m\u00f6chten nur den Kopf senken und ihre Strafe absitzen. Dies m\u00fcssen wir in  selbstverst\u00e4ndlich respektieren. &#8222;Politische&#8220; werden in der Regel im Knast  selber isoliert, eben durch Angriffe der W\u00e4rterInnen, durch Bel\u00e4stigungen  usw.<\/p>\n<p>Wenn du Unterst\u00fctzung oder gar eine Kampagne f\u00fcr eineN GefangeneN anbieten  m\u00f6chtest, so ist es am besten realistisch zu bleiben, bez\u00fcglich dessen was  du auch wirklich erreichen und umsetzen kannst. F\u00fcr jemenschden, der\/die  eine sehr lange Zeit hinter Gittern verbringen mu\u00df, kannst du wie ein sehr  starker Hoffnungsschimmer erscheinen &#8211; es ist wichtig die Hoffnung aufrecht  zu erhalten, aber keine falschen Illusionen zu kreieren. Wenn einE Gefangen  dir glaubt, und diese Erwartungen aber nicht erf\u00fcllt werden so kann dies  durchaus in Desillusion und Depression enden.<\/p>\n<p><strong>Durch die Mauern<\/strong><\/p>\n<p>Schlu\u00dfendlich hat das Schreiben an eineN InhaftierteN sehr viel mit gesundem  Menschenverstand und dem Benutzen des Hirns zu tun. Die meisten Gefangenen  sind eben nicht jene verr\u00fcckten Bestien, wie sie uns die rei\u00dferischen  Boulevardmedien glauben lassen m\u00f6chten. Es sind vielmehr ganz gew\u00f6hnliche  Menschen, eben wie du und ich. Kn\u00e4ste sind da um Menschen voneinander zu  isolieren, deshalb m\u00fcssen wir die Verbindung nach drau\u00dfen aufrechterhalten.  Direkte Kontakte mittels Briefverkehr ist einer der sichersten Wege, da\u00df  Gefangene nicht der Staatskontrolle alleine \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>Adressen von anarchistischen und revolution\u00e4ren Gefangenen gibt es auf  Verlangen bei Anarchist Black Cross (ABC).<\/p>\n<p><strong>Anarchist Black Cross<\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schreibe ich Gefangenen? Eines der Hauptprobleme, das Leute davon abh\u00e4lt Inhaftierten zu schreiben, ist da\u00df sie es nicht gewohnt sind einer fremden Person zu schreiben. Leute glauben nicht zu wissen, was sie sagen sollen; sie glauben es gibt Dinge &hellip; <a href=\"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=48\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"parent":16,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-48","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/48\/revisions\/117"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}