{"id":46,"date":"2010-08-27T14:43:36","date_gmt":"2010-08-27T12:43:36","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=46"},"modified":"2010-08-29T17:27:52","modified_gmt":"2010-08-29T15:27:52","slug":"risiken-und-nebenwirkungen-ein-antirepressionstext","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=46","title":{"rendered":"Risiken und Nebenwirkungen Ein Antirepressionstext"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>Risiken und Nebenwirkungen<br \/>\nEin Antirepressionstext<\/h2>\n<p><strong> Die Tierbefreiungsbewegung r\u00fcttelt an den Grundfesten der Gesellschaft  und erntet hierf\u00fcr nicht nur Wohlgefallen. Im Gegenteil: Was Staat und  Gesellschaft zuwiderl\u00e4uft, wird repressiv beantwortet und  kriminalisiert. <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt heute wohl keine politisch arbeitenden Menschen, Gruppen und  Organisationen, die sich nicht im Laufe der Zeit durch staatliche  Repression in ihrer Arbeit behindert sahen. Dies betrifft nicht zuletzt  auch die Tierbefreiungsbewegung. Die Liste &#8222;unserer&#8220; Gefangenen ist  lang. Zu lang. Sich der Repression oder vielmehr den Formen der  Repression gewahr zu sein und aktive Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen und  von Repression Betroffenen zu zeigen, ist ein integraler Bestandteil  jeder starken emanzipatorischen Bewegung.<\/p>\n<p>Eine Kernfunktion b\u00fcrgerlicher Staaten und eben auch staatlicher  Repression ist die Gew\u00e4hrung der Sicherung gesellschaftlicher  Verh\u00e4ltnisse. Dass diese Verh\u00e4ltnisse durch Herrschafts- und  Ausbeutungssysteme gekennzeichnet sind, wird den Tierbefreiern und  Tierbefreierinnen Tag f\u00fcr Tag nur allzu deutlich vor Augen gef\u00fchrt. Eine  Perspektive, welche auf die \u00dcberwindung dieser Verh\u00e4ltnisse, also der  \u00dcberwindung des Speziesismus, der Naturbeherrschung und der  Verwertungslogik zielt, muss zwangsl\u00e4ufig an die Grenzen dessen sto\u00dfen,  was dieses politische System zu tolerieren bereit ist. Allein der Aspekt  Tiere nicht als Ware zu betrachten, steht im Widerspruch mit dem  gesetzlich verankerten Recht auf Eigentum.<\/p>\n<p>Repression setzt dort an, wo gesellschaftliche Normierungsprozesse nicht  mehr greifen, wo TierbefreierInnen sich aktiv gegen die speziesistische  Normalit\u00e4t wenden, sich organisieren, sich artikulieren und nach ihren  \u00dcberzeugungen handeln. &#8222;Versto\u00df gegen das Versammlungsgesetz&#8220;,  &#8222;Hausfriedensbruch&#8220; oder gar &#8222;Bildung und Unterst\u00fctzung krimineller  Vereinigungen&#8220; sind einige Beispiele von Konstrukten, welche sich der  Repressionsapparat geschaffen hat, um gegen TierbefreierInnen vorzugehen  und in der Vergangenheit auch angewandt hat.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch nicht die eine Repression, vielmehr ist von verschiedenen  Formen von Repression zu sprechen. Sie ist mitunter der  Kriminalisierung und des Zugriffs staatlicher Verfolgungsbeh\u00f6rden  vorgelagert und beginnt dort, wo Freiheitsrechte und folglich  Handlungsm\u00f6glichkeiten politischer Arbeit systematisch eingeschr\u00e4nkt  werden, dort wo \u00fcberwacht, observiert und bespitzelt wird und auch dort,  wo Auflagen an Demonstrationen gestellt werden. Auf der n\u00e4chsten Ebene  sehen sich AktivistInnen mit Hausdurchsuchungen, &#8222;erkennungsdienstlichen  Behandlungen&#8220; und den unterschiedlichsten Anzeigen konfrontiert.  Fortgef\u00fchrt wird Repression durch die Justiz, welche Geld-, Haft- und  Bew\u00e4hrungsstrafen gegen Menschen erwirkt. Die Auswirkungen sind jedoch  nicht ausschlie\u00dflich Verurteilungen, vielmehr wird ein Gef\u00fchl der  Einsch\u00fcchterung und der Verunsicherung erzeugt, welches in allgemeiner  Ohnmacht m\u00fcnden kann und somit der Abschreckung gegen jene dient, die  nach Ausdrucksformen ihrer Unzufriedenheit suchen.<\/p>\n<p>Repression richtet sich zumeist gegen die Handlungen einzelner Personen,  seien es die Beteiligung an Go-Ins in Modeh\u00e4usern, an Ankettaktionen  vor Tierversuchslaboren oder an Direkten Aktionen wie Tierbefreiungen.  Diese individuellen Handlungen geschehen jedoch aus einer politischen  \u00dcberzeugung heraus, welche alle TierbefreierInnen und TierrechtlerInnen  teilen, n\u00e4mlich dass es eine Gesellschaft anzustreben gilt, in der Tiere  nicht aufgrund irgendwelcher Interessen durch Menschen  gefangengehalten, in ihren Bed\u00fcrfnissen beeintr\u00e4chtigt und get\u00f6tet  werden. Insofern zielt jede Repression nicht nur darauf, einzelne  Personen aus politischen Zusammenh\u00e4ngen zu isolieren und ihre  Handlungsm\u00f6glichkeiten einzuschr\u00e4nken, sondern sie ist zugleich immer  auch ein Angriff auf unsere Vorstellungen und eine Form der  Unterdr\u00fcckung gegen uns alle.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund muss die Tierbefreiungsbewegung Strategien zum  Umgang mit der Repression finden. Solidarit\u00e4t darf sich nicht im  gemeinsamen Organisieren von Demonstrationen oder Kampagnen ersch\u00f6pfen.  Menschen, welche von Repression betroffen sind, f\u00fchlen sich allein,  allein wenn sie vor Richtern und Staatsanw\u00e4lten stehen, allein, wenn sie  Strafbefehle abbezahlen m\u00fcssen, allein, wenn sie hinter Gef\u00e4ngnismauern  einschlafen m\u00fcssen. Ihnen muss ebenfalls unsere Solidarit\u00e4t zuteil  werden, sei es in Form von finanziellen Hilfen f\u00fcr fortschrittliche  Anw\u00e4lte und Prozesskosten, durch Betreuung von Betroffenen und  Prozessbeobachtungen, \u00f6ffentliche Infoveranstaltungen, Solipartys oder  dem Schreiben aufmunternder Briefe an Gefangene. Ziel unserer  Solidarit\u00e4t muss es sein, staatliche Repression und die Versuche  Einzelne zu isolieren und handlungsunf\u00e4hig zu machen, zu untergraben und  eben jene Handlungsf\u00e4higkeit wieder herzustellen bzw. zu erhalten.  Erfolgreiche Solidarit\u00e4t muss sich daran messen, ob Menschen nach dem  Zugriff durch Verfolgungsbeh\u00f6rden oder nach Gef\u00e4ngnisstrafen nicht  derart desillusioniert sind, dass sie die Auseinandersetzung f\u00fcr die  Befreiung der Tiere und der Menschen meiden.<\/p>\n<p><strong>Berliner Tierrechtsaktion (BerTA), August 2006 <\/strong><\/p>\n<p>Literatur- und Internetverweise:<\/p>\n<p><em>Durch die W\u00fcste &#8211; Ein Antirepressions-Handbuch f\u00fcr die politische  Praxis. Herausgegeben von einem AutorInnenkollektiv, erschien 2000 beim  Unrast-Verlag in M\u00fcnster. (ISBN 3-89771-404-3) <\/em><\/p>\n<p><em>Anarchist Black Cross &#8211; internationales, anarchistisches Solidarit\u00e4tsnetzwerk.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.anarchistblackcross.org\/\">www.anarchistblackcross.org<\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>Projektwerkstatt Saa\u00dfen &#8211; linkes Netzwerk, arbeitet viel zum Umgang mit staatlicher Repression<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.projektwerkstatt.de\/antirepression\">www.projektwerkstatt.de\/antirepression<\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>Rote Hilfe &#8211; str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutz- und  Solidarit\u00e4tsorganisation. Gibt viertelj\u00e4hrlich die  Antirepressions-Zeitschrift &#8222;Die Rote Hilfe&#8220; heraus.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.rote-hilfe.de\/\">www.rote-hilfe.de<\/a> <\/em><\/p>\n<p><em>Tierrechtsgefangene.de &#8211; aktuelle Nachrichten und Adressen von Gefangenen aus der Tierbefreiungsbewegung.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tierrechtsgefangene.de\/\">www.tierrechtsgefangene.de<\/a> <\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Risiken und Nebenwirkungen Ein Antirepressionstext Die Tierbefreiungsbewegung r\u00fcttelt an den Grundfesten der Gesellschaft und erntet hierf\u00fcr nicht nur Wohlgefallen. Im Gegenteil: Was Staat und Gesellschaft zuwiderl\u00e4uft, wird repressiv beantwortet und kriminalisiert. Es gibt heute wohl keine politisch arbeitenden Menschen, Gruppen &hellip; <a href=\"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=46\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"parent":16,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-46","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/46","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/46\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/46\/revisions\/111"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/berta-online.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}