{"id":43,"date":"2010-08-27T14:42:46","date_gmt":"2010-08-27T12:42:46","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=43"},"modified":"2010-09-01T01:04:19","modified_gmt":"2010-08-31T23:04:19","slug":"die-britische-anti-pelz-bewegung-seit-den-80ern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=43","title":{"rendered":"Die britische Anti-Pelz-Bewegung seit den 80ern"},"content":{"rendered":"<h2><small>Die britische Anti-Pelz-Bewegung seit den 80ern<\/small><\/h2>\n<h3><small>Eine beispiellose Erfolgsstory aus England <\/small><\/h3>\n<p><strong>Dieser Artikel soll eine kurze historische \u00dcbersicht und einen Einblick in die Kampagnen gegen den Pelzhandel in Gro\u00dfbritannien seit 1980 geben. Durch diese Kampagnen gelang es in etwas \u00fcber einem Jahrzehnt, die Pelzindustrie so gut wie vollkommen aus allen wirtschaftlichen Bereichen zu vertreiben. In den fr\u00fchen 80er Jahren gab es im Vereinigten K\u00f6nigreich einen riesigen Anstieg von Tierbefreiungsaktivit\u00e4ten. Obwohl sich dieser Artikel auf die Pelzkampagne konzentriert, gab es zu dieser Zeit auch bedeutende Kampagnen und Aktionen, die gegen andere Bereiche gerichtet waren, besonders die Bereiche der Vivisektion, der Massentierhaltung und der Jagd.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Kampagnen waren gr\u00f6\u00dftenteils ein Ergebnis der zunehmenden Anzahl von \u00f6rtlichen Tierrechtsgruppen im ganzen Land. Bis dahin hatte es haupts\u00e4chlich nationale Gesellschaften gegeben, die Kontaktpersonen oder Koordinatoren in jeder Region hatten. Als die lokalen Gruppen anfingen, Netzwerke zu gr\u00fcnden, begann eine starke und einflussreiche Bewegung Gestalt anzunehmen.<\/p>\n<p>Die Pelzindustrie schien, ein besiegbarer Gegner zu sein und die Kampagne gegen sie eine Aktionsplattform, in die sich jeder auf die eine oder andere Art einbringen konnte.<\/p>\n<p>Das Hauptziel der Kampagne war, den Pelzhandel zum Erliegen zu bringen, dadurch, dass Pelzl\u00e4den entweder gezwungen wurden zu schlie\u00dfen oder aufh\u00f6rten, Pelz zu verkaufen. Gleichzeitig wurde die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Grausamkeiten aufgekl\u00e4rt und \u00fcberzeugt, keinen Pelz mehr zu kaufen. Zu der Zeit war der Pelzhandel noch relativ lukrativ. In einer normalgro\u00dfen Stadt konnten bis zu einem Dutzend Pelzl\u00e4den nebeneinander bestehen. Obendrein hatte jedes gro\u00dfe Kaufhaus eine eigene Pelzabteilung und diese waren oft viel gr\u00f6\u00dfer und profitabler als die Pelzl\u00e4den.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gab es auf dem Land noch Dutzende von Pelzfarmen, von denen viele noch nie zuvor Protesten ausgesetzt waren. Die ersten Pelzfarmen tauchten im Vereinigten K\u00f6nigreich 1929 auf, und obwohl ihre Anzahl seit dem H\u00f6chststand von \u00fcber 600 Farmen in den 60ern stark zur\u00fcckgegangen war, gab es 1982 noch 62 Pelzfarmen.<\/p>\n<p>Obwohl die Pelzfarmen bereits Ziele von Aktionen wurden, gab es noch keine abgestimmte, gemeinsame Kampagne, um diesen Teil der Industrie anzugreifen. Stattdessen zielte der Kampf gr\u00f6\u00dftenteils auf den Einzelhandelsverkauf von Pelz ab, weil dieser wirtschaftlich angegriffen werden konnte. Man ging davon aus, dass der Markt f\u00fcr Pelz schwinden und dies zur Schlie\u00dfung von Pelzfarmen f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die ersten Hauptziele waren L\u00e4den und Boutiquen, die auf Pelz spezialisiert waren. Lokale Gruppen organisierten regelm\u00e4\u00dfige Demonstrationen und Besetzungen von Pelzl\u00e4den in ihrer Gegend. Viele Gruppen nutzten die Taktik, sich nacheinander auf einzelne L\u00e4den zu konzentrieren, so dass sie sich erst bei der Schlie\u00dfung eines Ladens auf den n\u00e4chsten konzentrierten, und so weiter. Vor einigen L\u00e4den wurde jeden Tag protestiert, bis sie entweder geschlossen wurden oder aufh\u00f6rten, Pelz zu verkaufen.<\/p>\n<p>Zeitgleich mit den legalen Protesten hatten Untergrundaktivisten durch das Verursachen von Geb\u00e4udesch\u00e4den w\u00e4hrend n\u00e4chtlicher Angriffe dem Pelzhandel betr\u00e4chtlichen wirtschaftlichen Schaden zugef\u00fcgt. Die Angriffe auf Pelzl\u00e4den erfolgten so regelm\u00e4\u00dfig, dass es nach einer Weile keinen Laden im Land mehr gab, der nicht ein zerbrochenes Fenster oder zugeklebte Schl\u00f6sser hatte oder mit Farbe beschmiert war. In den Medien wurde berichtet, dass Versicherungsunternehmen sich weigerten, Pelzgesch\u00e4fte zu versichern, weil sie so anf\u00e4llig f\u00fcr Schaden geworden waren. Andere Versicherungsunternehmen bestanden darauf, dass L\u00e4den Tausende von Pfund f\u00fcr weitere Sicherheit ausgaben. Geld, das die meisten Pelzgesch\u00e4fte einfach nicht mehr hatten. Dies veranlasste noch mehr Ladenbesitzer dazu, ihr Gesch\u00e4ft oder den Handel mit Pelzen aufzugeben.<\/p>\n<p>All diese Aktionen erweckten gro\u00dfes Medieninteresse, dadurch blieb das Thema Pelzhandel im \u00f6ffentlichen Bewusstsein. Das Verteilen von Informationsflugbl\u00e4ttern vor den L\u00e4den \u00fcbte Druck auf diese Gesch\u00e4fte aus. Gleichzeitig bedeutete es, dass viele tausend Flugbl\u00e4tter an Eink\u00e4ufer gelangten. Au\u00dferdem gab es regelm\u00e4\u00dfig Informationsst\u00e4nde in den Stra\u00dfen und Demonstrationsz\u00fcge in vielen St\u00e4dten im ganzen Land. Pelz wurde dadurch noch unbeliebter als er es eh schon war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Zeit gab es einige Aktionen gegen Pelzfarmen. Einige legale Demonstrationen endeten damit, dass gewaltt\u00e4tige Pelzfarmer Aktivisten angriffen. Diese \u00dcbergriffe endeten manchmal mit ernsten Verletzungen.<\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit gab es Befreiungsaktionen, bei denen Tausende von Nerzen freigelassen und Farmausr\u00fcstung und Ger\u00e4te besch\u00e4digt wurden. Die Aktionen gegen die Pelzfarmen waren jedoch eher sporadisch und nicht so koordiniert wie die Kampagnen gegen die Pelzgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Die entscheidende Pelzfarmkampagne zu der Zeit war die Kampagne gegen die Cocksparrow Farm in Warwickshire, im Zentrum Englands, es war die gr\u00f6\u00dfte Pelzfarm im Land. Was als lokale Kampagne mit regelm\u00e4\u00dfigen Demos und Mahnwachen begann, wuchs schnell zu einer nationalen Kampagne heran. Im Oktober 1983, als \u00fcber 1500 Aktivisten zur Farm zogen und viele Aktivisten das erste Mal pers\u00f6nlich mit dem Horror der Pelzproduktion in Kontakt kamen, kochte die Wut der Anti-Pelz-Bewegung \u00fcber. Die w\u00fctende Menge \u00fcberrannte 200 Polizisten, die die Farm bewachen sollten. Fenster und Autos wurden besch\u00e4digt, Ausr\u00fcstung zerst\u00f6rt, was Tausende von Pfund Schaden verursachte, und eine Anzahl von F\u00fcchsen wurde gerettet. Es gab neun Festnahmen, was auf die Aktivisten jedoch keine abschreckende Wirkung hatte.<\/p>\n<p>Drei Monate sp\u00e4ter, im Januar 1984, gab es einen Demonstrationszug von \u00fcber 2000 Menschen, die auf die Farm zumarschierten und sie umrundeten. Dieses Mal waren die 500 Polizisten besser vorbereitet. Es gab unglaubliche Szenen, als Gruppen von Aktivisten wiederholt versuchten, die Polizeilinie zu st\u00fcrmen, und von berittenen Polizisten zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden. Als Aktivisten sich der Farm n\u00e4herten, kamen noch mehr Polizisten aus den Fuchs-Schuppen hervor. Dieses Mal wurden neunundzwanzig Aktivisten verhaftet.<\/p>\n<p>Im Untergrund agierende ALF-Aktivisten hatten die Demos benutzt, um Beobachtungen f\u00fcr sp\u00e4tere Befreiungsaktionen durchzuf\u00fchren. Kurz nach der Januar-Demo brachen Aktivisten nachts in die Farm ein, retteten drei F\u00fcchse und verursachten \u00fcber 5000 Pfund Schaden. Ein Aktivist wurde verhaftet und zu zwei Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt, weil der Wagen ungl\u00fccklicherweise vor der Aktion von der Polizei w\u00e4hrend einer Routineuntersuchung gestoppt wurde.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Cocksparrow-Kampagne an Aufmerksamkeit gewann, lag der wahre Fokus der Bewegung immer noch auf dem Einzelhandel. Seit 1984 war klar geworden, dass die gro\u00dfen Pelzbetriebe ihr Gesch\u00e4ft aus den Pelzl\u00e4den, wo sie aufgrund von Aktionen und Protesten sehr verwundbar geworden waren, in die Kaufh\u00e4user verlegten.<\/p>\n<p>Dies kann am besten an Hand der Partnerschaft zwischen dem landesgr\u00f6\u00dften Pelzunternehmen und der gr\u00f6\u00dften Kaufhauskette veranschaulicht werden. Edelson &amp; Co. hatten die Konzessionen f\u00fcr Pelzabteilungen in fast jeder Filiale von House of Fraser gekauft. Edelson investierte stark in neue Aktien, da ihnen das House of Fraser-Unternehmen Dutzende von Pelzabsatzm\u00f6glichkeiten in einigen der f\u00fchrenden Kaufh\u00e4user im Land gab. Andere Pelzunternehmen folgten diesem Trend in dem Glauben, dass es ihnen etwas Schutz vor der unerbittlichen und unnachgiebigen Kampagne geben w\u00fcrde, ihre Produkte in einem Kaufhaus zu vertreiben. <\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Pelzeinzelh\u00e4ndler hatte einen Wendepunkt erreicht. Es wurde gesch\u00e4tzt, dass nun zwischen 60% und 70% der Pelzverk\u00e4ufe auf Kaufh\u00e4user entfielen. Es wurde Zeit, die Kaufh\u00e4user in Angriff zu nehmen, und die ersten Kampagnenziele waren Edelson und House of Fraser.<\/p>\n<p>Die Kampagne begann mit h\u00f6flichen Protesten, Flugbl\u00e4tter verteilen, Briefe schreiben und f\u00fchrte schlie\u00dflich zu w\u00fctenderen Demos und Besetzungen, in der Hoffnung, dass dies eher dazu f\u00fchre, die Kaufh\u00e4user zu einem Pelzausstieg zu \u00fcberzeugen. Doch die Kaufh\u00e4user waren ein schwierigeres Ziel als die Pelzl\u00e4den. Als ziemlich gro\u00dfe Unternehmen waren sie weniger leicht verwundbar durch Taktiken wie Boykott-Kampagnen. Es war auch schwieriger, die \u00d6ffentlichkeit dazu zu bewegen nicht dort einzukaufen, da sie au\u00dfer Pelz auch eine breite Auswahl an anderen Produkten verkauften.<\/p>\n<p>Nach kurzer Zeit schlossen sich ALF-Aktivisten der Kampagne an und begannen sich auf die Kaufh\u00e4user zu konzentrieren. Die Kampagne eskalierte schnell und im Jahr 1985 wurden House-of-Fraser-Kaufh\u00e4user im ganzen Land angegriffen. Da die Kaufh\u00e4user so gro\u00df waren, wurden kleinere Besch\u00e4digungsaktionen wie einige zerbrochene Fenster als Aktionen ohne gro\u00dfe Auswirkungen angesehen, und das Gef\u00fchl, dass mehr getan werden musste, wurde gr\u00f6\u00dfer. Eine neue Taktik wurde entwickelt: Aktivisten liefen an einem Geb\u00e4ude entlang, um dabei ganze Reihen von Glasfenstern so schnell wie m\u00f6glich mit einem Hammer zu zerschlagen und dann schnell in die Nacht zu fl\u00fcchten. In einer koordinierten Aktionsnacht wurden mit dieser Taktik sieben verschiedene House-of-Fraser-Filialen im Norden von England attackiert. Bei einem Laden wurden 30 gro\u00dfe Schaufenster mit H\u00e4mmern eingeschlagen. Nach dem Zerschlagen zweier Fenster des Kendals Kaufhauses in Manchester wurden zwei Aktivisten von Polizisten, die auf der Lauer gelegen hatten, verfolgt. Einer konnte fliehen, und obwohl die andere Aktivistin festgenommen und wegen mutwilliger Zerst\u00f6rung angeklagt wurde, wurde sie letztendlich freigesprochen.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit wurden auch \u00c4tzmittel als geeignetes Instrument entdeckt. So konnten Fenster ohne Ger\u00e4usche und Alarm zerst\u00f6rt werden. Der Pelzhandel war das erste Angriffsziel dieser neuen Waffe, und bei einigen gro\u00dfen Kaufh\u00e4usern wurden \u00fcber 50 Fenster ver\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Bald breitete sich die Kampagne auf zwei andere gro\u00dfe Kaufhausketten aus, John Lewis und Debenhams. Aber die Kaufhausunternehmen lehnten es trotz dieser Angriffe ab aufzugeben. Sie waren gro\u00dfe Unternehmen, und sie w\u00fcrden sich nichts von \u201eKriminellen\u201c diktieren lassen.<\/p>\n<p>Daher entschieden sich einige Aktivisten die Kampagne noch weiter zu treiben. Rackhams, ein House-of-Fraser-Laden in Sheffield, Nordengland, war das Ziel von vielen Protesten und Zerst\u00f6rungsaktionen, und lokale ALF-Aktivisten hatten davor gewarnt, dass sie das Geb\u00e4ude zerst\u00f6ren w\u00fcrden, wenn sie ihre Pelzabteilung nicht schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Dezember 1985 wurde ein kleiner Brandsatz in einer Zigarettenpackung unter einem Sessel in Rackhams M\u00f6belabteilung in der oberen Etage versteckt. Der Brandsatz war mit einem Zeitz\u00fcnder ausgestattet, und entz\u00fcndete sich erfolgreich um Mitternacht, als der Laden menschenleer war. Eine kleine Flamme entstand und diese entz\u00fcndete die anderen M\u00f6bel und bald stand das ganze Haus in Flammen. Wie geplant l\u00f6ste dies die Sprinkleranlage aus, und s\u00e4mtliche Etagen wurden unter Wasser gesetzt, was schwerwiegende Sch\u00e4den an dem Geb\u00e4ude verursachte und fast den gesamten Bestand des Kaufhauses zerst\u00f6rte. Es wurde gesch\u00e4tzt, dass \u00fcber eine viertel Million Pfund Schaden durch Feuer, Rauch und \u00dcberflutung entstand.<\/p>\n<p>Jetzt erst realisierten die Kaufh\u00e4user und die Beh\u00f6rden wirklich, mit wem sie es zu tun hatten. Die Regierung entschied sich dazu, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen gegen das, was nun als ernst zunehmende Bedrohung gesehen wurde. Unter dem Druck der Gesch\u00e4ftswelt gr\u00fcndete die Regierung eine Spezialeinheit, um die Tierbefreiungsbewegung zu untersuchen. Diese Spezialeinheit wurde bekannt unter dem Namen ARNI (Animal Rights National Index), das nationale Tierrechtregister. Tats\u00e4chlich war es jedoch nur eine Datenbank, um Informationen \u00fcber bekannte Aktivisten und Kontakte usw. zu sammeln. Die Leute, die geschickt wurden, um die Brandstifter ausfindig zu machen, waren aus dem Anti-Terror-Kommando der Polizei, welches zu der Zeit an einem brutalen Krieg in Nordirland beteiligt war.<\/p>\n<p>Im Februar 1986 verhaftete die Polizei \u00fcber ein Dutzend Aktivisten rund um Sheffield, darunter auch einige, die die Verantwortung f\u00fcr den Rackhams Anschlag trugen. Sie benutzten den Fall au\u00dferdem um Londoner B\u00fcros von Gruppen, die die ALF unterst\u00fctzten, zu durchsuchen. Leute, die sie f\u00fcr \u201eAnf\u00fchrer\u201c der ALF hielten, wurden verhaftet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gab es einen gro\u00dfen Schauprozess, in dem zw\u00f6lf Leute, einschlie\u00dflich derer, die als nationale Anf\u00fchrer der ALF angesehen wurden, der Verschw\u00f6rung Brandstiftung zu begehen, mutwilliger Zerst\u00f6rung und Anstiftung zu Verbrechen angeklagt wurden. Obwohl es die Pelzkampagne war, die zu diesem Prozess f\u00fchrte, bezogen sich die Anklagepunkte im Prinzip auf jede ALF-Aktion zwischen 1980 und 1986, da behauptet wurde, dass die ALF eine gro\u00dfe Verschw\u00f6rung sei, und dass diejenigen, die den Rundbrief der ALF-Unterst\u00fctzergruppe schrieben oder herstellten oder mit der Presse sprachen, verantwortlich waren.<\/p>\n<p>Die Medien beteiligten sich an der Hexenjagd. Der Prozess erregte gro\u00dfe Aufmerksamkeit im Fernsehen und in der Presse. Es gab \u00dcberschriften wie \u201eTier-Terror-Mob eingesperrt\u201c. Am Ende des Verfahrens wurden der ALF Pressedirektor und angeblicher \u201eAnf\u00fchrer\u201c zu zehn Jahren Gef\u00e4ngnis (insgesamt neun Leute zu insgesamt 37 Jahren) verurteilt. Der Richter erkl\u00e4rte \u00f6ffentlich, dass die Strafen dazu dienen sollten, um andere potentielle Aktivisten abzuschrecken. Es war ein Versuch, die ALF und die Bewegung allgemein zu vernichten.<\/p>\n<p>Doch dies hatte das genaue Gegenteil zur Folge. Selbst als die Angeklagten auf ihren Prozess warteten, gingen die Angriffe auf die Kaufh\u00e4user weiter. Ein Brandsatz verursachte einen erheblichen Feuer- und Wasserschaden in der Croydoner Zweigstelle von Allders, eine kleinere Ladenkette im S\u00fcden Englands. Allders sagte, sie w\u00fcrden sich nicht einsch\u00fcchtern lassen und ein Filialleiter beschrieb die Aktivisten als \u201eziemlich erb\u00e4rmlich\u201c.<\/p>\n<p>Ein paar Wochen sp\u00e4ter warfen Aktivisten Brandbomben auf sieben LKWs im Allders Depot in Hackbridge, weitere Fahrzeuge wurden mit \u00c4tzmittel angegriffen. Innerhalb von Tagen gab Allders bekannt, dass sie \u201eaus kommerziellen Gr\u00fcnden\u201c nicht l\u00e4nger Pelze verkaufen w\u00fcrden. Dies war der erste Sieg und half, die Kampagne voranzutreiben.<\/p>\n<p>Im April 1987, nur einen Monat nach Ende des Sheffield Prozesses, verursachte ein Brandsatz betr\u00e4chtlichen Schaden in einer Filiale von Debenhams in Cardiff, Wales.<\/p>\n<p>Drei Monate sp\u00e4ter, im Juli, kam der bis dahin verheerendste Anschlag. In einem koordinierten Angriff entz\u00fcndeten Brands\u00e4tze Feuer in drei verschiedenen Debenhams-L\u00e4den in Luton, Romford und Harrow in derselben Nacht.<\/p>\n<p>In Romford und Harrow \u00fcberschwemmte die Sprinkleranlage die L\u00e4den wie geplant. In Luton brannte die Filiale allerdings nieder, was einen Schaden von ungef\u00e4hr 9 Millionen Pfund verursachte. Die Sprinkleranlage war, zum allerersten Mal, wegen Wartungsarbeiten ausgestellt worden. Die Polizei verhaftete zwei Aktivisten f\u00fcr diesen Anschlag. Sie wurden zu vier Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Wieder spornte dies die anderen Aktivisten nur zu mehr Entschlossenheit an.<\/p>\n<p>Zwei Wochen nach der Urteilsverk\u00fcndung im Brandstiftungsfall Luton wurde ein Brandsatz in Selfridges in London gelegt. Obwohl er sich nicht entz\u00fcndete, ging daraufhin ein Schock durch die Londoner Kaufh\u00e4user. Das nahe gelegene John Lewis Gesch\u00e4ft erkl\u00e4rte, es w\u00fcrde aufh\u00f6ren, Pelze zu verkaufen, weil es den andauernden, unbarmherzigen Druck nicht l\u00e4nger ertragen k\u00f6nnte. Es gab auch andere \u00f6rtliche Erfolge. Dingles in Exeter, S\u00fcd-West England, ein House of Fraser Laden und Debenhams in Guildford, S\u00fcdengland, geh\u00f6rten zu den etlichen einzelnen Gesch\u00e4ften, die ihre Pelzabteilungen schlossen. Aber die Mutterunternehmen weigerten sich immer noch nachzugeben.<\/p>\n<p>In der Woche vor Weihnachten 1987 verursachten Brands\u00e4tze schwere Sch\u00e4den in Gesch\u00e4ften in Manchester, Liverpool und Cardiff.<\/p>\n<p>Es gab jedoch einige R\u00fcckschl\u00e4ge, da Aktivisten weiterhin den Preis f\u00fcr die Aktionen zahlen mussten. In Cardiff wurden zwei Aktivisten einschlie\u00dflich des neuen ALF-Pressedirektors zu 18 Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt, im Grunde daf\u00fcr, dass sie mit der Presse \u00fcber die Anschl\u00e4ge in Cardiff gesprochen hatten. In Schottland wurde ein Aktivist zu drei Jahren verurteilt, weil er einen Brandsatz im Jenners Kaufhaus in Edinburgh gelegt hatte, ein anderer wurde zu neun Monaten verurteilt, weil er Drohbriefe an Kaufh\u00e4user verschickt hatte.<\/p>\n<p>Aber trotzdem gingen die Angriffe weiter. Im Winter 1988 gab es etwas, das die Medien einen \u201evorweihnachtlichen Blitz\u201c von Brandanschl\u00e4gen nannten. Dies war ein verheerender Angriff gegen Dingles, ein House-of-Fraser-Kaufhaus in Plymouth. Wie bei dem fr\u00fcheren Luton Angriff, funktionierte die Sprinkler-Anlage nicht und das gesamte Geb\u00e4ude ging in Flammen auf, was ungef\u00e4hr 18 Millionen Pfund Schaden verursachte. Das Feuer wurde zu einer Riesen-Nachricht, mit spektakul\u00e4ren Photos von dem brennenden Hochhaus, die zu ikonischen Bilder f\u00fcr diese \u00c4ra der Tierbefreiung wurden.<\/p>\n<p>Das war der letzte Strohhalm f\u00fcr die Kaufh\u00e4user. 1989, kurz nach dem Dingles Feuer, gab House of Fraser die Entscheidung bekannt, alle seine Pelzabteilungen zu schlie\u00dfen. Debenhams und John Lewis folgten schnell. Diesen drei Unternehmen allein geh\u00f6rten die meisten Kaufh\u00e4user im Land.<\/p>\n<p>Augenblicklich war der Gro\u00dfteil des britischen Pelzhandels vernichtet. Zahlreiche gro\u00dfe Namen in der Industrie gingen fast \u00fcber Nacht Bankrott, einschlie\u00dflich Edelson Furriers, die gr\u00f6\u00dfte Pelzhandelsgesellschaft des Landes. Der Pelzhandel hatte einen enormen R\u00fcckschlag erlitten, von dem er sich nie wieder ganz erholen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>1980 war der Pelzhandel im Vereinigten K\u00f6nigreich 190 Millionen Pfund wert, 1991 war dies auf 11 Millionen Pfund reduziert. (1997 war diese Zahl noch weiter auf 2 Millionen Pfund gesunken, ein R\u00fcckgang von 99% in 17 Jahren.)<br \/>\nIn 1989 wurde au\u00dferdem das Hudson\u2018s Bay Company Auktionshaus in London geschlossen, wo ein Gro\u00dfteil des Pelzhandels des Vereinigten K\u00f6nigreichs ablief. Der Pelzhandel war nun auf dem vollen R\u00fcckzug an allen Fronten.<br \/>\nEr war jedoch noch nicht v\u00f6llig am Ende. Es gab immer noch Pelzl\u00e4den, die nicht geschlossen hatten, meistens nur einen oder zwei in jeder Stadt. In den n\u00e4chsten zwei bis drei Jahren wurden diese L\u00e4den schrittweise durch andauernde Proteste oder weitere Anschl\u00e4ge geschlossen, und bald waren die meisten gro\u00dfen St\u00e4dte pelzfreie Gebiete.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit ernannte sich ein s\u00fcdkoreanisches Unternehmen zum Retter des Pelzhandels. Jindo hatte Pelzgesch\u00e4fte in mehreren gro\u00dfen St\u00e4dten er\u00f6ffnet, mit der Idee, dass Pelz, der aus ihren Pelzfarmen in Korea importiert wurde, billig und bezahlbar sein w\u00fcrde. Aber sie waren schlecht beraten worden. Der Pelzhandel lag im Sterben und ihre L\u00e4den wurden schrittweise zum Schlie\u00dfen gezwungen, bis nur noch ihr Londoner Gesch\u00e4ft und Lager \u00fcbrig waren.<\/p>\n<p>Wahrhaftig, London blieb zu dieser Zeit eine Hochburg des Pelzhandels. Auf London entfielen fast alle Pelzverk\u00e4ufe im Vereinigten K\u00f6nigreich, gr\u00f6\u00dftenteils wegen des Touristenhandels.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Pelzfarmen: In der Zwischenzeit, es war im Jahr 1989, wurde die Cocksparrow Pelzfarm endg\u00fcltig geschlossen. Die Demos waren fortgef\u00fchrt worden, aber die Schlie\u00dfung erfolgte kurz nach einer ALF-Aktion, bei der 30 F\u00fcchse gerettet und ein gro\u00dfer Teil der Farm zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>Pelzfarmen im Allgemeinen spiegelten jedoch nicht den dramatischen Einsturz der Pelzverk\u00e4ufe wieder. 1982 gab es im Vereinigten K\u00f6nigreich 68 Pelzfarmen, 1989 waren es immer noch 61. Der Zusammenbruch des Pelzeinzelhandels begann jedoch bald einen verheerenden Tribut an den Pelzfarmen zu fordern. 1991, zwei Jahre nachdem die Kaufh\u00e4user die Pelzabteilungen verbannt hatten, hatte sich die Anzahl der Pelzfarmen mehr als halbiert. Es waren nur noch 29.<br \/>\nDa nur noch so wenige Pelzl\u00e4den vorhanden waren, begannen Aktivisten nun Kampagnen zu organisieren, um die noch verbleibenden Pelzfarmen zu schlie\u00dfen. Es wurden \u00e4hnliche Taktiken benutzt wie bei den Pelzladenkampagnen. Die Kampagnen waren darauf konzentriert, eine Farm nach der anderen zum Schlie\u00dfen zu zwingen. Au\u00dferdem gab es eine Serie von Befreiungsaktionen, bei denen Tausende von Nerzen befreit wurden. Dies \u00fcbte noch mehr Druck auf die wenigen \u00fcbrig gebliebenen Pelzfarmen aus.<\/p>\n<p>Im Jahr 1997 hatte sich die Anzahl der Pelzfarmen auf 15 halbiert. Im selben Jahr kam eine neue Labour-Regierung an die Macht, die versprach, Pelzfarmen zu verbieten. Aktivisten hatten die Pelzindustrie zwar sowieso schon gr\u00f6\u00dftenteils demontiert, aber selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re ein Verbot sehr begr\u00fc\u00dft worden. Die erste Aktion der Regierung in diesem Bereich war die Erneuerung des Gesetzes, das Nerzhaltung, -aufzucht und -t\u00f6tung f\u00fcr den Pelzhandel um drei Jahre verl\u00e4ngerte, w\u00e4hrend eine Untersuchung zur Haltung und T\u00f6tung von Pelztieren durchgef\u00fchrt wurde.<br \/>\nAn der Einzelhandelsfront gab es immer noch das Problem des Londoner Pelzhandels, der immer noch an die zwanzig Pelzspezialgesch\u00e4fte und viele Modegesch\u00e4fte, die einige Pelze verkauften, umfasste. Es war auch wichtig, den Londoner Markt au\u00dfer Gefecht zu setzen, da er als zuk\u00fcnftiges Sprungbrett f\u00fcr eine m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Wiederbelebung des Pelzhandels im Rest des Landes dienen k\u00f6nnte.<br \/>\nIn den 90ern hatten Londoner Aktivisten einen Erfolg nach dem anderen vorzuweisen. Sie zielten hintereinander auf einzelne Gesch\u00e4fte ab, bis diese entweder schlossen oder aufh\u00f6rten, Pelz zu verkaufen. Am Ende des Jahres 1990 waren fast alle gro\u00dfen Pelzl\u00e4den in London geschlossen, einschlie\u00dflich einiger von Londons \u00e4ltesten und ber\u00fchmtesten Pelzgesch\u00e4ften. Die Erfolge umfassten auch die Schlie\u00dfung der letzten Filiale des koreanischen Pelzunternehmens Jindo.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich war nur noch ein bedeutendes Pelzgesch\u00e4ft in der Mitte Londons ge\u00f6ffnet, Hockleys. Es geh\u00f6rt Frank Zilberkweit, der au\u00dferdem Vorsitzender der BFTA (British Fur Trade Association), der Britischen Pelzhandel Gesellschaft, ist. Als t\u00e4gliche Demonstrationen drohten das Gesch\u00e4ft zu zerst\u00f6ren, ging Hockleys mit Finanzierung und Unterst\u00fctzung durch die BFTA vor Gericht, um eine gerichtliche Verf\u00fcgung zu bekommen, die jegliche Art von Protest vor seinem Gesch\u00e4ft verbietet. Jetzt kann jeder, der den Gerichtsbeschluss bricht, zu f\u00fcnf Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt werden &#8211; nur f\u00fcr friedliches Protestieren vor dem Gesch\u00e4ft!<br \/>\nObwohl die Pelzl\u00e4den weiter schlossen, kam in den sp\u00e4ten 90ern ein neuer Trend auf, als versucht wurde, ein Comeback von Pelz herbeizuf\u00fchren. Kleine Mengen von Pelz, f\u00fcr gew\u00f6hnlich nur das bisschen Pelz zur Zierde hier und da, begannen sich ihren Platz in Modegesch\u00e4ften und Boutiquen zur\u00fcck zu erschleichen. Sogar einige Kaufh\u00e4user hatten wieder eine kleine Menge an Pelz vorr\u00e4tig. Obgleich dies schon noch weit entfernt von den Tagen war, als es in diesen Gesch\u00e4ften riesige Pelzabteilungen gab.<br \/>\nAls ein Resultat der Pelzfarm-Kampagne und dem Revival von Pelz in Modegesch\u00e4ften wurde 1997 die CAFT (Coalition to Abolish the Fur Trade \/ Koalition zur Abschaffung des Pelzhandels) gegr\u00fcndet, als Basis-Kampagne und um Aktionen gegen Pelz zwischen \u00f6rtlichen Gruppen zu koordinieren. Dies war wichtig, da viele dieser Gesch\u00e4fte Filialen in verschiedenen Ortschaften und St\u00e4dten hatten, und die CAFT bis jetzt sehr erfolgreich darin war, gemeinsame und abgestimmte Proteste zu organisieren. Es gab einige beachtenswerte Erfolge, da einige der gr\u00f6\u00dften Namen in der Modeindustrie, wie Harvey Nichols, Zara und Aldo, \u00fcberzeugt wurden, keinen Pelz mehr zu verkaufen.<\/p>\n<p>Eine neue Entwicklung ist die Behauptung einiger Gesch\u00e4fte, sie verkauften nur Kaninchenpelz, welcher, wie sie sagen, ein Nebenprodukt der Fleischindustrie ist und deshalb nicht anderes w\u00e4re als Leder. Dies ist eine andere Taktik des Pelzhandels, um Pelz wieder tragbar zu machen, eine gef\u00e4hrliche Entwicklung, gegen die Aktivisten k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Zurzeit gibt es zwei Hauptziele der Kampagne. Harrods, deren gigantisches Londoner Gesch\u00e4ft das gr\u00f6\u00dfte Kaufhaus im Land ist, und Josephs, eine Modekette, die auch Filialen in Frankreich, Japan und Amerika unterh\u00e4lt. Aktivisten halten regelm\u00e4\u00dfig Proteste vor dem Gesch\u00e4ft ab.<br \/>\nWeiterhin hat die CAFT daran gearbeitet, die Regierung an ihr Versprechen bez\u00fcglich des Verbots f\u00fcr Pelzfarmen zu erinnern. 1999 wurde schlie\u00dflich ein Gesetz verabschiedet, dass Pelzfarmen im Vereinigten K\u00f6nigreich innerhalb von drei Jahren illegal machen sollte, und 2002 schloss die letzte verbliebene von 13 Nerzfarmen. Es war eines der Versprechen, die die Labour Partei gemacht hatte, bevor sie gew\u00e4hlt wurde, und es war eines der wenigen Versprechen, die sie nicht gebrochen hat.<br \/>\nEs ist ein Zeichen der Zeit und beruhigend zu wissen, dass in Gro\u00dfbritannien die Pelzherstellung nun illegal ist. Und w\u00e4hrend der Pelzeinzelhandel fast zerst\u00f6rt wurde, geht der Kampf, den Rest des Pelzhandels ein f\u00fcr alle Mal zu zerst\u00f6ren, weiter, so dass unsere Wirtschaft nicht das T\u00f6ten von Pelztieren in anderen Teilen der Welt unterst\u00fctzt.<br \/>\n<small><br \/>\nvon Tom Godwin<\/p>\n<p><small>Dieser Text erschien in &#8222;Tierbefreiung &#8211; Das Aktuelle Tierrechtsmagazin.&#8220; <\/small><br \/>\n<small>Herausgegeben von &#8222;die tierbefreier e.V.&#8220;, Ausgabe 50, M\u00e4rz 2006.<\/small><\/p>\n<p><small><a href=\"http:\/\/www.tierbefreier.de\/tierbefreiung\/index\/index.html\">Hier gibt es weitere Informationen zum Magazin \u201eTierbefreiung\u201c<\/a><\/small><\/p>\n<p><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die britische Anti-Pelz-Bewegung seit den 80ern Eine beispiellose Erfolgsstory aus England Dieser Artikel soll eine kurze historische \u00dcbersicht und einen Einblick in die Kampagnen gegen den Pelzhandel in Gro\u00dfbritannien seit 1980 geben. 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