{"id":28,"date":"2010-08-27T14:28:43","date_gmt":"2010-08-27T12:28:43","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=28"},"modified":"2010-08-29T17:29:00","modified_gmt":"2010-08-29T15:29:00","slug":"wild-und-fursorglich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=28","title":{"rendered":"&#8222;Wild und f\u00fcrsorglich&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1><small>&#8222;Wild und f\u00fcrsorglich&#8220;<\/small><\/h1>\n<h1><small><small><small><small><strong><big>\u00dcber Brian Lukes Vorschl\u00e4ge zu einer nichtpatriarchalen Tierbefreiungsethik<\/big> <\/strong><\/small><\/small><\/small><\/small><\/h1>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Warum soll man sich im Jahr 2006 noch \u00fcber einen Artikel Gedanken machen, der 1995 geschrieben wurde? Ist er nicht schon \u00fcberholt? Ich finde ganz im Gegenteil. Je mehr ich von der Tierbefreiungsbewegung sehe, und je \u00f6fter ich den Text lese, desto besser gef\u00e4llt er mir.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Auf den ersten Blick war ich \u00fcberrascht, in dem Sammelband \u201eAnimals and Women. Feminist Theoretical Explorations\u201c (Tiere und Frauen, Feministisch-theoretische Untersuchungen), herausgegeben von Carol J. Adams und Josephine Donovan (Duke University Press, Durham \u2013 London 1995), einen Beitrag von einem Mann zu finden: \u201eTaming Ourselves or Going Feral? Toward a Nonpatriarchal Metaethic of Animal Liberation\u201c (Z\u00e4hmen wir uns oder werden wir wild? F\u00fcr eine nichtpatriachale Metaethik der Tierbefreiung) von Brian Luke.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Ja, warum denn nicht? Schlie\u00dflich leiden nicht nur Frauen unter dem Patriarchat und seinen Wertvorstellungen, und nicht nur sie haben viel dagegen vorzubringen. Feminismus ist schlie\u00dflich keine Interessensgruppe zur Durchsetzung einer ausgewogenen Beteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Ich kann auf die Teilnahme von Frauen im Milit\u00e4r gern verzichten, aber das gilt auch f\u00fcr die gesamte Institution. Es ist immer sehr traurig, wenn Frauen es als Erfolg empfinden, endlich bei etwas Brutalem, Ausbeuterischem, Schrecklichem mitzumachen, nur weil sie bisher \u2013 aus den falschen Gr\u00fcnden \u2013 davon ausgeschlossen waren, z. B. bei der Jagd oder bei groben, umweltzerst\u00f6rerischen Sportarten, bei reaktion\u00e4rer Politik oder Kriegstreiberei. Bei der Kritik am Patriarchat geht es um die grunds\u00e4tzliche Ablehnung von Gewalt und Ausbeutung, Macht und Unterdr\u00fcckung, und nicht darum, dass die Schrecken besser verteilt werden.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Gut, und was k\u00fcmmert uns das alles eigentlich, wenn wir uns f\u00fcr nichtmenschliche Tiere engagieren? F\u00fchrt das nicht zu weit, was soll uns eine \u201enichtpatriarchalische Metaethik\u201c im politischen Alltag n\u00fctzen? Meiner Meinung nach sehr viel: weil n\u00e4mlich patriarchale Wertvorstellungen und Hierarchien ein Teil des Problems sind und viel Tierunterdr\u00fcckung erst erm\u00f6glichen, wie zum Beispiel der Gedanke, dass es wichtigere Lebewesen \u2013 menschliche, m\u00e4nnliche, wei\u00dfe \u2013 gibt und unwichtigere \u2013 nichtmenschliche, weibliche, nichtwei\u00dfe -, mit denen man ruhig Schlitten fahren kann. Also wird es uns wahrscheinlich nicht weit bringen, wenn wir mit diesen gef\u00e4hrlichen Vorstellungen weiter arbeiten und hoffen, dass schon nichts passieren wird, weil wir doch die Guten sind. Und andererseits gewinnen wir mit dieser solidarischen Ethik eine realistische und positive Handlungsperspektive, in der Sympathie und Autonomie im Mittelpunkt stehen und nicht Misstrauen und Repression.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Diese peinlichen Gef\u00fchle<\/strong><\/small><\/p>\n<p><small>Als erstes, grunds\u00e4tzliches Problem erkennt Brian Luke, wie patriarchalisch die H\u00f6herbewertung der \u201eVernunft\u201c im Gegensatz zum \u201eGef\u00fchl\u201c ist. Regan und Singer betonen in ihren Arbeiten st\u00e4ndig, dass Tierrecht eine \u201erationale\u201c Angelegenheit ist, um dem Anliegen Respektabilit\u00e4t und Reputation zu verschaffen. Sie verwehren sich gegen Gef\u00fchle und behaupten, dass uns nur rationale Analysen zusammengef\u00fchrt haben.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Was ist eigentlich gegen \u201eGef\u00fchl\u201c zu sagen? \u201eVernunft \u2013 Gef\u00fchl\u201c ist eines der klassischen Gegensatzpaare des abendl\u00e4ndischen Denkens, wie \u201eKultur \u2013 Natur\u201c oder \u201em\u00e4nnlich \u2013 weiblich\u201c und hat einen schlechten Ruf, weil es als typisch weiblich, \u201eirrational\u201c und instinktgesteuert gilt: Unger\u00fchrt von aller kritischen Philosophie herrscht offenbar weiter das Klischee von den weiblichen Wesen, die bekanntlich nicht so hell sind und so klar denken wie M\u00e4nner, und sich dauernd in irgendetwas verrennen, wie es eben ihrem triebhaften, hormongebeutelten Wesen entspricht \u2013 sie kriegen ja auch dauernd Kinder \u2013, aufgrund unzuverl\u00e4ssiger Gef\u00fchle, die sie zu peinlichen, sentimentalen, wom\u00f6glich hysterischen Ausbr\u00fcchen treiben. Mit so etwas m\u00f6chte man doch als vernunftbestimmter, logisch denkender Herr, der sich nur an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, nichts zu tun haben, das zieht einen ja nur hinunter.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Dass ich nicht lache! Gef\u00fchle sind meistens erst der Ausl\u00f6ser politischen Handelns und Motiv des Widerstands. Ohne Mitgef\u00fchl, Sympathie und Solidarit\u00e4t g\u00e4be es kaum eine Politik, die \u00fcber die unmittelbaren Interessenslagen hinausgeht. Gef\u00fchle wie \u201emeine Nachbarn kann man doch nicht erschlagen\/deportieren\/vergasen\u201c, \u201eAKWs sind gef\u00e4hrlich\u201c, \u201eKinderarbeit ist sch\u00e4ndlich\u201c, \u201eGewalt in der Familie ist furchtbar\u201c, \u201eArmut ist abzulehnen\u201c, \u201ediese Tiere d\u00fcrfen nicht gequ\u00e4lt, get\u00f6tet und gegessen werden\u201c haben viel in Gang gesetzt. Gef\u00fchl und Interesse erwecken oft erst die Bereitschaft, sich mit einem Problem zu befassen. Tom Regan schreibt in einem autobiographischen Text selbst, dass er aus Vernunftgr\u00fcnden Vegetarier wurde, aber erst der Tod seines Hundes sein Herz ber\u00fchrte.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Sicherheitshalber m\u00f6chte ich anmerken, dass das Zulassen von Gef\u00fchlen nicht bedeutet, auf die Vernunft zu verzichten und sich in Sentimentalit\u00e4ten zu verlieren oder vor radikalen Schlussfolgerungen zur\u00fcckzuschrecken. Der Punkt ist, nicht einen bedeutenden Teil unseres Charakters zu unterdr\u00fccken. Und die F\u00fcrsorge und Sympathie nicht gering zu sch\u00e4tzen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Wenn Wissenschaft draufsteht &#8230;<\/strong><\/small><\/p>\n<p><small>Sehr angebracht finde ich Brian Lukes kritische Bemerkungen \u00fcber den Wissenschaftsbetrieb, ich bin \u00fcber jede unkritische Begeisterung f\u00fcr Wissenschaft als solche sehr beunruhigt. Nur weil eine Person einen akademischen Grad hat und sich bedeutungsschwanger \u00e4u\u00dfert, hat sie nicht den ganzen Tag Recht. Wenn man nicht st\u00e4ndig mitdenkt, wer in wessen Interesse oder auf wessen Kosten wen oder was erforscht und was das f\u00fcr Folgen haben wird, hat man nichts aus Adornos Faschismusanalysen oder den psychologischen Experimenten \u00fcber Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit und Gruppendruck, wie dem Milgram-Experiment, gelernt. Warum sollten im patriarchalen kapitalistischen System ausgerechnet Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen herrschaftsfreie R\u00e4ume sein?<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Hierarchie und soziale Kontrolle<\/strong><\/small><\/p>\n<p><small>Brian Luke arbeitete Anfang der neunziger Jahre als Assistenzprofessor an einer US-amerikanischen Universit\u00e4t und konnte sich nicht damit anfreunden, dass ein Gro\u00dfteil des akademischen Diskurses als \u201eKampf\u201c stattfindet, indem die VertreterInnen verschiedener Positionen nur bem\u00fcht sind, die Schwachpunkte im anderen Gedankengeb\u00e4ude zu finden. Warren nennt diese Methode so plastisch die \u201eGladiator Theory of Truth\u201c und bezweifelt, dass sie der einzige und beste Weg ist, die Wahrheit herauszufinden. Viel \u00f6fter wird sie dabei verzerrt und die Kreativit\u00e4t der WissenschaftlerInnen gel\u00e4hmt. Identit\u00e4t aufzubauen, indem man seinen eigenen Wert erh\u00f6ht, wenn man den anderen abwertet, ist besonders charakteristisch f\u00fcr die m\u00e4nnliche Entwicklung im Patriarchat.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Hierarchische Strukturen beg\u00fcnstigen den Aufstieg der systemkonformen Pers\u00f6nlichkeiten und Ansichten und erfordern den Ausschluss abweichender Personen und Positionen. Hier treffen wir wieder auf den Punkt, dass es nicht einmal taktisch sehr geschickt f\u00fcr die Tierbefreiungsbewegung w\u00e4re, sich auf patriarchale Strukturen zu verlassen: Tierbefreiung ist bei weitem keine Mehrheitsmeinung, auch nicht im akademischen Bereich. Wenige von uns nehmen hohe Positionen im System ein, wir sind inhaltlich und von unseren Positionen her eher diejenigen, die ausgegrenzt und niedergewalzt werden, und da sollen wir uns an die patriarchale Macht anbiedern und mit Mechanismen sozialer Kontrolle lieb\u00e4ugeln?<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Nur keine Unterschiede!<\/strong><\/small><\/p>\n<p><small>Regan, Singer und auch andere legen in ihren Arbeiten Ethik als m\u00f6glichst allgemeine und universelle Prinzipien an. Die ausgearbeiteten Regeln sollen f\u00fcr alle Menschen und alle Situationen gelten. Der Haken dabei ist: Allgemeine Regeln abstrahieren sehr stark und f\u00fchren letztlich weit weg von den realen Menschen und realen Tieren. Die unterdr\u00fcckten Tiere sind aber keine \u201eF\u00e4lle\u201c, sondern Individuen in bestimmten Situationen. Auch die Menschen sind nicht gleich, sondern handeln aus verschiedenen Gr\u00fcnden und Notwendigkeiten heraus. Bei einem zu hohen Abstraktionsniveau stehen die Lebewesen pl\u00f6tzlich ohne ihre pers\u00f6nlichen, geschichtlichen, wirtschaftlichen, geographischen und gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge da, und das ist doch genau die Standardisierung, die wir vermeiden wollten.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Ich finde es pers\u00f6nlich auch ergiebiger, nicht die konstruierten Beispiele der \u201eEine Gr\u00f6\u00dfe passt allen\u201c-Ethik zu diskutieren, in denen die bekannten Rettungsboote, Bergwerke und Eskimos vorkommen, sondern \u00fcber konkrete Menschen, Tiere und Machtverh\u00e4ltnisse zu sprechen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Sympathien f\u00fcr die Tiere<\/strong><\/small><\/p>\n<p><small>Kurz gesagt, Brian Luke verwehrt sich gegen alle Anfl\u00fcge sozialer Kontrolle und Andeutungen, dass die Menschen \u201egez\u00e4hmt\u201c werden und ihr Verhalten kontrolliert werden muss, sondern er schl\u00e4gt vor, von ihren ohnehin vorhandenen Sympathien f\u00fcr Tiere auszugehen. Wieso Sympathien? Sieht es nicht, angesichts von Massentierhaltung und einer riesigen Tierversuchsindustrie, ganz anders aus? Nicht unbedingt, wenn man bedenkt, was f\u00fcr gro\u00dfe Anstrengungen von der Tierausbeutungsindustrie betrieben werden, um die Menschen weiter zu t\u00e4uschen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Zur Aufrechterhaltung der Tierausbeutung ist es notwendig,<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>\u2022 dass keine pers\u00f6nliche Verantwortung am Tod von Tieren wahrgenommen wird,<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>\u2022 der angerichtete Schaden verleugnet wird,<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>\u2022 den Tieren keine Subjekthaftigkeit zuge standen wird und<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>\u2022 die Sympathien f\u00fcr die Tiere systematisch untergraben werden.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Niemand ist pers\u00f6nlich verantwortlich<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> Von den alten Verdr\u00e4ngungsmechanismen, die den G\u00f6ttern wegen ihrer Forderung nach Opfern die Verantwortung zugeschoben haben, oder ihrer Erlaubnis, wie in der Bibelinterpretation von \u201emacht euch die Erde untertan\u201c ziehen heute mehr die s\u00e4kularen Ausfl\u00fcchte: Die Massentierhalter machen die \u201eNachfrage der Konsumenten\u201c verantwortlich, die einzelnen Fleischesser sagen wiederum, dass ihre individuelle Entscheidung, kein Fleisch zu essen, nicht den gesamten Markt beeinflussen wird, also ist niemand schuld.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<\/div>\n<p><small><strong>Der angerichtete Schaden wird verleugnet<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Die Tierfabriken und die Tierversuchsindustrie sind stark bem\u00fcht, ihre Produktionsweise und das Leiden der Tiere vor den KonsumentInnen und der \u00d6ffentlichkeit zu verheimlichen. Labors werden m\u00f6glichst nicht gezeigt, nichts soll herausdringen, sogar die Sprachregelung vermeidet \u201eSchmerz\u201c und \u201eAngst\u201c und \u201eLeiden\u201c. Luke berichtet von einem Fall, in dem die Pro-Tierversuchs-Lobby einen Beitrag in einer Fernsehsendung verhinderte, obwohl der Produzent die Notwendigkeit von Tierversuchen vorf\u00fchren wollte. Schon die Erw\u00e4hnung w\u00e4re zuviel gewesen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Auch die Massentierhalter l\u00fcgen \u00fcber den Schaden, den sie verursachen. Sie behaupten allen Ernstes, dass die Tiere in ihren Gef\u00e4ngnissen ein sicheres, ruhiges Leben f\u00fchren. Und in der Werbung sieht man nur gl\u00fcckliche Tiere auf kleinen Bauernh\u00f6fen, die sich geradezu darauf freuen, vom Menschen genutzt zu werden. Nat\u00fcrlich ist auch nie von \u201eUmbringen\u201c und \u201eT\u00f6ten\u201c die Rede, in den USA ersetzt allm\u00e4hlich der Euphemismus \u201eFleischfabrik\u201c das Wort \u201eSchlachthaus\u201c.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Den Tieren wird kein Subjektcharakter zugestanden<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Der Philosoph Descartes entwickelte im 17. Jahrhundert die Vorstellung, dass Tiere nur komplizierte Maschinen sind, also sind ihre Schmerzensschreie auch nur als ein Quietschen des Mechanismus zu deuten. Eine modernere, aber vergleichbare Version wird in den Labors und Tierfabriken praktiziert, die Tiere gelten als Teil der Ausstattung, Teil der Produktion, Teil des Inventars, als Ernte und Ertrag, aber auf keinen Fall als leidensf\u00e4hige Lebewesen.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Die Sympathien f\u00fcr Tiere werden ausradiert<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Manchmal, wenn die allgemeinen Verdr\u00e4ngungsmechanismen nicht greifen, wenn diejenigen, die den Tieren Schaden zuf\u00fcgen, zuviel gesehen haben oder Menschen, die neu in der Tierausbeutung sind, noch nicht die \u201erichtige\u201c Denkweise internalisieren konnten, werden weitergehende Ma\u00dfnahmen notwendig:<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Im Labor hilft beispielsweise eine ganze Gruppe angetrunkener Angestellter, ein bestimmtes Tier zu t\u00f6ten. Oder Kinder werden gezwungen, Fleisch zu essen, obwohl ihnen davor graut. F\u00fcr die Arbeit in Schlachth\u00e4usern und in der Verpackungsindustrie werden die \u00f6konomisch schw\u00e4chsten Arbeitskr\u00e4fte am Markt eingesetzt. In den Versuchslabors m\u00fcssen die Angestellten die erw\u00fcnschten Versuche durchf\u00fchren, wenn sie ihren Job behalten oder Karriere machen wollen. An den Universit\u00e4ten m\u00fcssen die StudentInnen ihre Sezier\u00fcbungen absolvieren, wenn sie ihr Studium abschlie\u00dfen wollen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene wird den Menschen mit hohem Werbeaufwand eingeredet, dass das Leben und Wohlergehen ihrer Familien davon abh\u00e4ngt, dass sie Pharmaprodukte, Fleisch und Milch konsumieren.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Wild werden<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Dass derartig viele verschiedene Mechanismen zur Vorbeugung und Verhinderung der Sympathie f\u00fcr Tiere entwickelt wurden, zeigt doch, dass die Tierausbeutungsindustrie den Widerstand der Menschen immer als eine potentielle Bedrohung betrachtet. Und wenn diese Industrien nicht davon ausgehen, dass die Tiere den Menschen gleichg\u00fcltig sind, und viel Geld daf\u00fcr ausgeben, die menschlichen Sympathien f\u00fcr Tiere an allen Ecken und Enden zu unterdr\u00fccken, warum sollen wir in der Bewegung das eigentlich glauben?<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Brian Luke regt also an, dass wir uns nicht nur an Logik und konsequente Argumentationsketten halten, sondern auch an die gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige Bindung zu den Tieren erinnern und die k\u00fcnstlich aufgerichteten Hindernisse zu ihnen niederrei\u00dfen. Das ist ein konkreter Prozess, zu dem Beziehungen zu unversehrten, freien Tieren geh\u00f6ren, und auch die direkte Wahrnehmung der Leiden der Tiere in den Tierfabriken und Versuchslabors.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Statt soziale Kontrolle auszu\u00fcben, wollen wir die pers\u00f6nliche Autonomie der Menschen vergr\u00f6\u00dfern und verhindern, dass sie mit falschen Informationen zugesch\u00fcttet werden.<\/small><\/p>\n<p><small><\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Wir lassen uns nicht l\u00e4nger zahm halten<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Alle Menschen, sowohl VivisektorInnen wie auch VeganerInnen, waren diesen sympathiezerst\u00f6renden Mechanismen ausgesetzt. Wie lange und in welchem Ausma\u00df wir uns ihnen f\u00fcgen, ist keine Frage der Vernunft. Es ist angesichts der gesellschaftlichen Erwartungen und Sanktionen durchaus rational, unsere Gef\u00fchle zu unterdr\u00fccken und die Tierausbeutung zu unterst\u00fctzen, aber unsere Gef\u00fchle zu verteidigen und die Tierausbeutung zu kritisieren, ist auch rational, und wir leiden darunter, dass wir unsere nat\u00fcrliche Bindung an die Tiere verlieren. Also ist es nicht unsere Aufgabe, die Rationalit\u00e4t anderer Menschen zu beurteilen, sondern wir m\u00fcssen ehrlich \u00fcber die Einsamkeit und Isolation in der anthropozentrischen Gesellschaft sprechen, und welcher Schaden jeder Person zugef\u00fcgt wird, die Tieren etwas antun soll. Wir m\u00fcssen die Sympathie und F\u00fcrsorglichkeit der Menschen vor den Herrschaftszw\u00e4ngen und falschen Informationen besch\u00fctzen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Es geht in einer nichtpatriarchalen Tierbefreiungsethik also nicht darum zu z\u00e4hmen, nicht uns selbst und auch nicht unsere angeblich \u201enat\u00fcrliche\u201c ausbeuterische Haltung gegen\u00fcber Tieren. Vielmehr geht es darum, sich nicht l\u00e4nger zur Unterst\u00fctzung des Anthropozentrismus z\u00e4hmen zu lassen.<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small><strong>Halbwild an den Grenzen der Zivilisation<\/strong><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> <\/small><\/div>\n<p><small>Zum Abschluss ein Zitat des Autors: \u201eIn der westlichen Welt geh\u00f6rt es f\u00fcr die meisten von uns zur Tierbefreiung dazu, unsere fr\u00fchere Domestizierung zum Fleischessen, zur Abh\u00e4ngigkeit von der modernen Medizin, zum menschlichen Chauvinismus etc. abzulehnen. Wenn wir unser offiziell eingeschr\u00e4nktes Mitgef\u00fchl f\u00fcr Tiere weiter behaupten und vergr\u00f6\u00dfern, sind wir in der Position wilder Tiere, die fr\u00fcher domestiziert waren, aber nun halbwild an den Grenzen der hierarchischen Zivilisation leben.\u201c<br \/>\n<\/small><\/p>\n<div><small> Ja, wenn das so ist, lasst uns doch wild werden!<br \/>\n<\/small><\/div>\n<div><small><br \/>\nvon Susi Harringer<\/small><\/p>\n<p><small><small>Dieser Text erschien in &#8222;Tierbefreiung &#8211; Das Aktuelle Tierrechtsmagazin.&#8220;<br \/>\n<\/small><small>Herausgegeben von &#8222;die tierbefreier e.V.&#8220;, Ausgabe 51, Juni 2006.<br \/>\n<\/small><small><br \/>\n<\/small><small><a href=\"http:\/\/www.tierbefreier.de\/tierbefreiung\/index\/index.html\">Hier gibt es weitere Informationen zum Magazin \u201eTierbefreiung\u201c<\/a><\/small><\/small><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wild und f\u00fcrsorglich&#8220; \u00dcber Brian Lukes Vorschl\u00e4ge zu einer nichtpatriarchalen Tierbefreiungsethik Warum soll man sich im Jahr 2006 noch \u00fcber einen Artikel Gedanken machen, der 1995 geschrieben wurde? 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