{"id":26,"date":"2010-08-27T14:27:38","date_gmt":"2010-08-27T12:27:38","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=26"},"modified":"2010-08-29T17:29:18","modified_gmt":"2010-08-29T15:29:18","slug":"zweckgebunden-produziert-entindividualisiert-transformiert-in-tote-ware","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=26","title":{"rendered":"Zweckgebunden produziert &#8211; entindividualisiert &#8211; transformiert in tote Ware."},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>Zweckgebunden produziert &#8211; entindividualisiert &#8211; transformiert in tote Ware.<\/h2>\n<h3>Eine Kritik an bestehenden Verh\u00e4ltnissen zwischen Menschen und anderen Tieren.<\/h3>\n<p><strong> Tiere begegnen Menschen in unserer Gesellschaft meistens tot beim  Mittagessen am Teller, eingesperrt im Zoo hinter Gittern oder als Beute  bei der Jagd vor dem Gewehrlauf. Die Beziehung zwischen Menschen und  anderen Tieren ist also gepr\u00e4gt von Machtverh\u00e4ltnissen und Gewalt. An  unserem Infoabend wollen wir die Ideologie, die hinter der  Tierausbeutung steht, kritisch hinterfragen und zeigen, dass das  Durchbrechen von Machtverh\u00e4ltnissen nicht an der Speziesgrenze Halt  machen darf. <\/strong><\/p>\n<h3>1. Einleitung<\/h3>\n<p><strong>Begegnungen mit Tieren<\/strong><\/p>\n<p>Um in die Thematik einzusteigen, haben wir uns gefragt, inwiefern wir  \u00fcberhaupt in unserer Gesellschaft etwas mit Tieren zu tun haben und wo  sich die Wege von Tieren und Menschen kreuzen. Die folgenden Beispiele  stellen dabei eine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, dar:<\/p>\n<p>&#8211; Als erstes sind uns nat\u00fcrlich die Haustiere in den Sinn gekommen. Vor  allem Hunde und Katzen leben mit Menschen in Haushalten zusammen, aber  auch andere, wie V\u00f6gel, Fische etc.<\/p>\n<p>&#8211; Dann noch die Tiere, die wir von unseren Wohnungen aus sehen, oder  denen wir begegnen, wenn wir durch die Stadt gehen. Es sind Tauben,  Kr\u00e4hen, Spatzen und manchmal sogar M\u00e4use oder Ratten.<\/p>\n<p>&#8211; Eine weitere Ebene auf denen Menschen mit Tieren zu tun haben, die  aber oft nicht so bewusst ist, sind die Tiere, die auf den Tellern  liegen. Wenn nicht als ganze (wie Fische, Meerestiere oder &#8218;Gefl\u00fcgel&#8216;),  dann in Teile geschnitten (Schweine, Rinder, Pferde etc.), z.B. als  Braten, Wurstsemmel, Kebap oder Leberkn\u00f6del.<\/p>\n<p>&#8211; Oft von denselben Tieren stammen die Tier-Produkte, mit denen die  meisten Menschen zu tun haben. Sei es Kuhmilch, Eier (\u00fcberwiegend von  H\u00fchnern) oder Honig, der von Bienen gesammelt wurde.<\/p>\n<p>&#8211; Und ganz als letztes ist uns noch ein Bereich eingefallen, indem wir  zwar nicht mit realen Tieren zu tun haben, der aber trotzdem wichtig  erscheint, in der Beziehung zwischen Menschen und den anderen Tieren: Es  sind Bilder von Tieren denen wir st\u00e4ndig begegnen. Seien es visuelle  oder sprachliche Bilder. Erstere begegnen uns in jeder Art von Medien,  Werbung, Zeichentrickfilmen oder Comics. Sprachliche Bilder sind vor  allem in der Umgangssprache weit verbreitet, wenn etwas &#8222;sau-cool&#8220; oder  &#8222;hunds-gemein&#8220; ist, wenn wer &#8222;mause-tot&#8220; oder &#8222;b\u00e4ren-stark&#8220; ist.<\/p>\n<p>Und wenn wir uns diese F\u00fclle von vielen verschiedenen Bereiche vor Augen  f\u00fchrt, in denen sich die Realit\u00e4ten von Menschen und Tieren  \u00fcberschneiden, k\u00f6nnen wir auch anfangen zu begreifen , wieso unser Bild  von Tieren, das wir haben und mit unseren Handlungen weitergeben, so  wichtig ist. Sei es f\u00fcr die betroffenen Tiere, als auch f\u00fcr Menschen,  wie wir sp\u00e4ter noch sehen werden.<\/p>\n<h3>2. Wahrnehmung \u00fcber Nutzen<\/h3>\n<p>Zu den h\u00e4ufigsten Einteilungen von Tieren z\u00e4hlt die Unterteilung in  Gruppen wie sogenannte &#8222;Nutztiere&#8220;, &#8222;Haustiere&#8220;, &#8222;Versuchstiere&#8220;,  &#8222;Zootiere&#8220;, &#8222;Pelztiere&#8220; und \u00e4hnliche. Und dann weiter: Legehennen und  Masth\u00fchner, Milchk\u00fche und Mastrinder. Meistens ist uns dabei gar nicht  mehr bewusst, dass diese Kategorien und Bezeichnungen keine  &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; oder neutrale sind, sondern sie wurden von Menschen  erfunden und spiegeln das hegemoniale Mensch-Tiere-Verh\u00e4ltnis wieder und  schreiben weiter fest, dass Tiere als jemand, oder sogar als etwas zu  Nutzendes wahrgenommen werden. Tiere sind so stark mit der Art und  Weise, wie sie von Menschen benutzt werden in Verbindung gebracht, dass  diese als das Wesen von Tieren betrachtet werden. Wie Tiere sind oder was sie brauchen und wollen, dar\u00fcber sagen diese  Definitionen nichts aus, sondern sie geben nur Auskunft \u00fcber unsere  Interessen an Tieren, die beinahe ausschlie\u00dflich vom Nutzen gepr\u00e4gt  sind.<\/p>\n<p>Die Arten der Benutzung und Ausbeutung sind dabei vielf\u00e4ltig: am  offensichtlichsten ist die wirtschaftliche, zum Beispiel bei der  Verarbeitung von Tierleichen(teilen) und tierlichen Produkten in  Nahrungsmittel f\u00fcr Menschen. Der Konsum dieser &#8222;Produkte&#8220; ist eine  weitere Art von Nutzen, die geschmacklich\/kulinarisch argumentiert wird.  Ein gro\u00dfer Bereich stellt der ideelle und emotionale dar. So werden in  den meisten Beziehungen von Menschen zu den sog. Haustieren diese  benutzt um Kontakte zu anderen Personen zu haben, Gef\u00fchle zu erzeugen  (Freude), auszuleben oder zu kompensieren. Weitere Arten der Ausnutzung  von Tieren sind der Unterhaltungsbereich (Zirkus, Zoo) oder die  wissenschaftliche Forschung und Lehre wo Tiere als Forschungs&#8220;objekte&#8220;  benutzt werden. Diese Arten der Benutzung von Tieren f\u00fchren zu der  Einteilung von Tieren in die schon genannten Gruppen (zB Haustiere,  Versuchstiere).<\/p>\n<p>Diese Kategorien werden nicht als konstruiert, als von Menschen  erfunden, sondern als nat\u00fcrlich angesehen und dadurch kaum in Frage  gestellt. Sie gelten als unumst\u00f6\u00dflich und unver\u00e4nderbar. Diese Sicht  wird deutlich in dem auf Kritik an Tierausbeutung und -mord oft  vorgebrachten &#8222;daf\u00fcr sind&#8217;s ja da&#8220;. Das steht f\u00fcr den umfassenden  Zugriff auf Tiere, deren Leben von der Geburt bis zum Tod von Menschen  bestimmt und kontrolliert wird. Dass Tiere leben k\u00f6nnen, ja: leben  sollen, ohne von Menschen genutzt zu werden klingt utopisch, doch Tiere  sind nicht f\u00fcr menschliche Interessen da, sie sind autonome Individuen  die um ihrer selbst Willen existieren.<\/p>\n<p>Dass die Art, wie wir Tiere sehen und in Folge behandeln (in den meisten  F\u00e4llen: misshandeln), nicht die einzig m\u00f6gliche ist, zeigt sich auch im  Vergleich mit anderen Kulturen bzw. Epochen. So ist es Europ\u00e4erInnen  unverst\u00e4ndlich, zum Beispiel Hunde zu essen, w\u00e4hrend das in manchen  Regionen Asiens verbreitet zu sein scheint. Umgekehrt finden in Europa  nur wenige Menschen etwas daran, K\u00fche bzw. deren Leichenteile zu essen,  was wiederum zB in Indien f\u00fcr viele unvorstellbar ist. Beispiele wie  diese zeigen, die jeweilige Funktion die Menschen Tieren zuschreiben  keinesfalls im Wesen der Tiere begr\u00fcndet liegt, sondern kulturell  gepr\u00e4gt und von Menschen konstruiert ist. Das wird auch deutlich wenn  mensch sich ansieht, welche unterschiedlichen Rollen ein Tier\/eine  Tierart in einer Gesellschaft haben kann: so gelten Kaninchen f\u00fcr viele  als Haustiere (und dabei oft sogar als Familienmitglieder), w\u00e4hrend sie  gleichzeitig get\u00f6tet werden um zu &#8222;Fleisch&#8220; verarbeitet zu werden oder  als sog. Versuchstiere in Labors misshandelt und get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>Dieses Beispiel zeigt schon, dass trotz der grunds\u00e4tzlichen  Zusammenfassung aller nicht-menschlichen Individuen unter dem Begriff  &#8222;Tier&#8220; Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gemacht werden und  eine Hierarchie in der Behandlung der Tiere besteht. So wird auf  &#8222;Haustiere&#8220; zumindest vordergr\u00fcndig mehr R\u00fccksicht genommen und ihnen  mehr Interessen zugebilligt als den sog. &#8222;Nutztieren&#8220;, bei denen jedoch  auch oft noch gewisse Grenzen bei der Aus\u00fcbung von Gewalt gezogen  werden. Im Gegensatz dazu werden die so genannten Sch\u00e4dlinge ermordet  und ausgerottet ohne auch nur einen Gedanken an die betroffenen  Individuen zu verschwenden.<\/p>\n<p>Die Wahrnehmung und ihre Einteilung in zB &#8222;Nutztiere&#8220; oder &#8222;Haustiere&#8220;  kann also durchaus unterschiedliche Auswirkungen auf die Individuen  haben. Eines haben jedoch alle F\u00e4lle gemeinsam: Es stehen immer die  menschlichen Interessen im Mittelpunkt der Beziehungen, die Interessen  von Tieren werden immer jenen von Menschen untergeordnet. Diese  Einstellung nennt man Speziesismus. Die dominante speziesistische  Einstellung f\u00fchrt dazu, dass als einziger Zweck der Existenz von Tieren,  deren Nutzen f\u00fcr Menschen angesehen wird.<\/p>\n<p>Tiere werden immer in Abh\u00e4ngigkeit von Menschen definiert und gesehen.<\/p>\n<h3>3. Auswirkungen<\/h3>\n<p>Im folgenden werde ich ein bisschen was \u00fcber die Lebensrealit\u00e4t von  Tieren vor allem in \u00d6sterreich erz\u00e4hlen, um zu zeigen, wie das  Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis in der Realit\u00e4t f\u00fcr manche Tiere aussieht, was es  bedeutet in unserer Gesellschaft ein Tier zu sein. Ich beziehe mich  dabei vor allem auf sog. &#8218;Nutztiere&#8216; und &#8218;Versuchstiere&#8216;, werde aber  auch Haustiere thematisch streifen. Um die Dimension zu zeigen, in der  sich das Ganze abspielt zu Beginn ein paar ZAHLEN:<\/p>\n<p>&#8211; jedes Jahr werden in \u00d6sterreich rund 5,5 Millionen Schweine  umgebracht, darunter befinden sich auch ein paar Prozent sog.  Bioschweine. All diese Schweine, wurden nur daf\u00fcr gez\u00fcchtet, um sie  dann, sobald sie das gew\u00fcnschte Gewicht erreicht haben, zu Fleisch  verarbeitet zu werden.<\/p>\n<p>&#8211; 21 Millionen sog. Eintagsk\u00fcken sterben j\u00e4hrlich in \u00d6sterreich.  Eintagsk\u00fcken werden die K\u00fcken genannt, die einen Tag nach ihrer Geburt  nach ihrem Geschlecht aussortiert werden. Die weiblichen K\u00fcken kommen in  die Aufzucht und sp\u00e4ter in die Legebatterie, Voliere oder sonstige  Legehaltung. Die m\u00e4nnlichen K\u00fcken hingegen werden, weil sie ja keine  Eier legen und damit nutzlos f\u00fcr die Industrie sind, umgebracht;  erstickt, vergast oder zu Brei zerdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&#8211; Und 180.000 Tiere sind es in etwa, die jedes Jahr im Versuch an Tieren  in \u00d6sterreich sterben. Die meisten davon sind M\u00e4use und Ratten. Aber,  da Tiere in allen m\u00f6glichen Bereichen verwendet werden, kommen auch  andere Tiere auf den Sektionstisch, wie Fische, Katzen, Meerschweinchen,  Kaninchen, Schafe, Hunde, Tauben etc&#8230;<\/p>\n<p><strong>Nutzung<\/strong><\/p>\n<p>Doch was bedeutet es \u00fcberhaupt genutzt zu werden? Unabh\u00e4ngig von der  konkreten Ausbeutung, die Tiere, je nach Art der Nutzung, betreffen,  werden alle von ihnen gefangen gehalten: Und zwar in Gruppen zu  Tausenden oder Einzeln, je nachdem, wie es f\u00fcr die Produktion am  produktivsten ist. Zudem bedeutet Nutzung f\u00fcr Tiere im konkreten:<\/p>\n<p>&#8211; selektive, oft gewaltsame, k\u00fcnstliche Befruchtung, sowohl bei  Nutztieren, als auch manche Versuchstiere (Zucht) oder zur  Haustierzucht. Die weiblichen Tiere werden gezielt geschw\u00e4ngert, um (f\u00fcr  jeweilige menschl. Zwecke) m\u00f6glichst gut geeigneten Nachwachs zu  bekommen. In der industrialisierten Tierhaltung werden mit dem Datum der  Befruchtung, der Geburt und die n\u00e4chste Befruchtung, die n\u00e4chste Geburt genau kalkuliert.<\/p>\n<p>&#8211; au\u00dferdem bedeutet Nutzung, dass die sozialen Kontakte der Tiere  eingeschr\u00e4nkt werden, weil sie beliebig mit anderen Individuen  zusammengesperrt werden, also in einer Gruppe, die sie sich nicht selbst  aussuchen k\u00f6nnen (Schweine oder H\u00fchner in Masten). Oder ihre sozialen  Kontakte werden g\u00e4nzlich unterbunden, wie z.B. bei Ratten im  Tierversuchslabor, die eigentlich sehr soziale Tiere sind. Oder soziale  Kontakte werden aufgezwungen, wie etwa bei Nerzen (Pelzproduktion), die  in Freiheit Einzelg\u00e4ngerInnen sind und in Nerzfarmen oft mit bis zu 4  anderen im K\u00e4fig sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8211; viele Tiere bekommen nur k\u00fcnstliches Licht und sehen bis zu ihrem Tod  nie die Sonne. Der k\u00fcnstliche Tag-Nacht-Rhythmus ist genau so  abgestimmt, z.B. dass die H\u00fchner m\u00f6glichst viele Eier legen oder dass  die Puten m\u00f6glichst viel essen.<\/p>\n<p>&#8211; sie bekommen jeden Tag genau dasselbe Essen vorgesetzt. W\u00fcrden sie  sich in Freiheit verschiedene Sachen suchen oder bestimmte vom gegebenen  Angebot bevorzugen, m\u00fcssen Tiere in Masten, in Zuchten und Labortiere  meist lebenslang immer das gleiche essen (im Labor Trockennahrung). Die  Ern\u00e4hrung zielt, ebenso wie alles andere, darauf ab die K\u00f6rper der Tiere  zum Nutzen der Menschen zu optimieren.<\/p>\n<p>&#8211; insgesamt verunm\u00f6glicht die Gefangenhaltung ihnen jegliche  M\u00f6glichkeit, Bed\u00fcrfnisse auszuleben, die ihrer Art eigen sind. Sei es,  dass H\u00fchner gerne im Sand scharren oder ihre Fl\u00fcgel ausstrecken w\u00fcrden,  Schweine in der Erde w\u00fchlen oder im Schlamm baden wollen, oder dass  Nerze in Freiheit gro\u00dfe Teile ihrer Zeit im Wasser verbringen. Dazu  kommt, dass sie in Gefangenschaft oft noch weniger M\u00f6glichkeit haben,  ihre individuellen Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen<\/p>\n<p>&#8211; auf die von den spezfischen &#8222;Haltungs-&#8220; und Zuchtformen abh\u00e4ngigen  physischen Einschr\u00e4nkungen (z.B. Einzelgefangenhaltung auf engstem Raum  bzw. Qualz\u00fcchtungen) soll hier nicht weiter eingegangen werden, auch  nicht auf die nicht abzusch\u00e4tzenden psychische Belastungen, unter denen  die einzelnen Tiere zu leiden haben (Zeichen von Stress bzw. psychischen  Leiden sind oft zu beobachten).<\/p>\n<p>&#8211; Am Ende steht nat\u00fcrlich das Umbringen. Dies betrifft aber nicht nur  Tiere, die f\u00fcr Fleisch umgebracht werden. Auch &#8218;unproduktive&#8216; Tiere, wie  m\u00e4nnliche K\u00fcken, f\u00fcr Haustierhaltung gez\u00fcchtete Hunde, Katzen, die als  nicht sch\u00f6n empfunden werden und nicht vermittelbar sind, oder verletzte  Tiere. Au\u00dferdem werden all die Tiere, die f\u00fcr  Milch\/Eier\/Honig-Produktion gefangengehalten wurde, sobald sie nicht  mehr produktiv genug sind, umgebracht und zu Fleisch gemacht.<\/p>\n<p><strong>Konzeptionelle Gewalt<\/strong><\/p>\n<p>All diese Fakten zeigen, dass es gegen Tiere nicht nur die unmittelbare  k\u00f6rperliche Gewalt der Misshandlung, des T\u00f6tens und die psychische  Gewalt, der Isolation, des Vorenthaltens von Umwelt-Reizen gibt. Unser  ganzes Verh\u00e4ltnis zu vielen Tiergruppen ist durch und durch von Gewalt  durchdrungen. So ist beispielsweise der Tod eines Kalbes schon beschlossene Sache, bevor es \u00fcberhaupt geboren wurde. D.h. also die  Gewalt gegen Tiere findet nicht nur jeden Tag in den Zuchtbetrieben und  jede Minute im Schlachthof statt. Sie findet auch in den Kalkulationen  der Menschen statt, nach denen diese Tiere schon vor ihrer Geburt &#8222;zum  Tode verurteilt&#8220; sind. z.B. Nerze auf &#8222;Pelztier&#8220;farmen werden im  Fr\u00fchling geboren und im November\/Dezember, wenn das erste Winterfell  gewachsen ist, umgebracht. In diesem Sinne k\u00f6nnte man sagen: Sie sind  geboren, um keinen Winter zu erleben.<\/p>\n<h3>4. Speziesismus<\/h3>\n<p><strong>&#8222;Mensch-Tier-Dualismus&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben bis jetzt dar\u00fcber gesprochen, wie &#8222;Tiere&#8220; von Menschen  behandelt werden. F\u00fcr uns stellt sich nun die Frage, wie es dazu kommen  konnte, dass dieses durch und durch von Gewalt gepr\u00e4gte Verh\u00e4ltnis  allgemein als &#8222;normal&#8220; und grunds\u00e4tzlich unproblematisch empfunden und  akzeptiert wird &#8211; und zwar auch von vielen Menschen, die prinzipiell  durchaus den Anspruch an sich selbst stellen, Unterdr\u00fcckung und Gewalt  abzulehnen.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Was sehen wir Menschen im &#8222;Tier&#8220;, das in unseren Augen seine oder ihre totale Ausbeutung rechtfertigt?<\/p>\n<p>Um dieser Frage nachzugehen, muss zuvor allerdings ein andere, viel  prinzipiellere Frage gekl\u00e4rt werden: Was, bzw. viel mehr, wer ist  eigentlich gemeint, wenn wir von &#8222;Tieren&#8220; oder schlicht &#8222;dem Tier&#8220;  reden?<\/p>\n<p>Unter diesem Begriff &#8222;Tier&#8220; werden tausende h\u00f6chst unterschiedliche  Spezies zusammengefasst &#8211; darunter so verschiedene wie Insekten, Fische,  V\u00f6gel, auch S\u00e4ugetiere, sozusagen alles von der Ameise bis zum Zebra.  Was sie alle gemeinsam haben, ist zun\u00e4chst mal die Tatsache, dass es  sich bei ihnen um lebende Organismen handelt, und dass sie weiters  biologisch von Bakterien, Pflanzen und Pilzen abgegrenzt werden k\u00f6nnen.  Allerdings fallen nach einer solchen Definition auch die Menschen in die  Gruppe der Tiere. Biologisch sind Menschen eindeutig Tiere! Trotzdem sind bei der allgemein gebr\u00e4uchlichen  Verwendung des Begriffs &#8222;Tiere&#8220; Menschen nie mitgedacht.<\/p>\n<p>Menschen werden n\u00e4mlich nicht als eine Tierart unter vielen anderen  Spezies, die sich alle von einander unterscheiden, aufgefasst, sondern  den Menschen auf der einen Seite werden undifferenziert alle anderen  Tiere auf der anderen Seite gegen\u00fcbergestellt. Alle Gemeinsamkeiten und  Kontinuit\u00e4ten die es zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Tieren  gibt, sind im Laufe der westlichen Zivilisationsgeschichte immer mehr  verleugnet worden, andererseits wurden auch alle Unterschiede zwischen  den einzelnen nichtmenschlichen Tierarten ausgeblendet. So wurden aus  den unterschiedlichsten Spezies eine homogene Masse &#8211; &#8222;das Tier&#8220;, eine  Erfindung der Menschen, deren einziges wesentliches Merkmal darin  besteht, kein Mensch zu sein. Dadurch dass &#8222;das Tier&#8220; keine eigenen  konkreten Eigenschaften hat &#8211; weil es &#8222;das Tier&#8220; ja eigentlich nicht  gibt, sondern nur tausende verschiedene nichtmenschliche Tierarten &#8211;  stellt es eine ideale Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr die Benutzung durch die  Menschen dar: vor allem Eigenschaften, die wir Menschen zwar haben, die  aber nicht der idealisierten Vorstellung davon entsprechen, was wir  &#8222;menschlich&#8220; nennen, k\u00f6nnen einfach auf &#8222;das Tier&#8220; \u00fcbertragen werden,  genauso wie alles, wovon wir als Menschen uns distanzieren wollen. Damit  ist der Begriff &#8222;Tier&#8220; endg\u00fcltig keine sozusagen &#8222;objektive&#8220;  (wissenschaftliche) Kategorie mehr, sondern in erster Linie nur mehr als  Gegenteil unseres &#8222;Menschen&#8220;-Bildes zu verstehen. Diese verzerrte  Vorstellung, dass &#8222;der Mensch&#8220; einerseits und &#8222;das Tier&#8220; andererseits  sich als zwei unvereinbare Gegens\u00e4tze gegen\u00fcberstehen, wird auch als  &#8222;Mensch-Tier-Dualismus&#8220; bezeichnet.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber werden wir sp\u00e4ter noch mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nur noch kurz etwas zum dualistischen Denken sagen, das auch  oft bin\u00e4res Denken oder Schwarz\/Wei\u00df-Denken genannt wird, und eben die  Vorstellung von zwei unvereinbaren Gegens\u00e4tzen darstellt. Dabei handelt  es sich n\u00e4mlich um ein wesentliches Element des westlichen Denkens.<\/p>\n<p>(Wir beziehen uns \u00fcbrigens deswegen nur auf die westliche, europ\u00e4isch  gepr\u00e4gte Kultur, weil es einerseits der Kontext ist, in dem wir uns  bewegen und den wir von innen heraus kritisieren, und andererseits  weltweit gesehen die zur Zeit sicher dominanteste Kultur darstellt.)<\/p>\n<p>In der europ\u00e4ischen Kultur gibt es noch viele andere traditionelle  Gegensatzpaare, wie zum Beispiel Kultur &#8211; Natur, Geist &#8211; Materie,  Vernunft &#8211; Trieb, Seele &#8211; K\u00f6rper, Moral &#8211; Instinkt, Mann &#8211; Frau usw.  Wenn ich diese Paare gemeinsam mit dem &#8222;Mensch-Tier-Dualismus&#8220;  betrachte, f\u00e4llt auf, dass immer eine Seite mit &#8222;dem Menschen&#8220; in  Verbindung gebracht werden kann, und die jeweils andere Seite mit &#8222;dem  Tier&#8220; assoziiert wird &#8211; also zum &#8222;Menschen&#8220; geh\u00f6ren die Kategorien der  Kultur, des Geistes, der Vernunft, der Seele und der Moral; &#8222;dem Tier&#8220;  zugeordnet werden die Natur, die Materie, der Trieb, der K\u00f6rper und der  Instinkt.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich deutlich, dass es sich beim &#8222;Mensch-Tier-Dualismus&#8220;  nicht um zwei gleichberechtigte Komponenten handelt, die sich  gegenseitig erg\u00e4nzen, sondern dass eine Seite, und zwar die &#8222;dem  Menschen&#8220; zugeordnete, das gesellschaftliche Ideal darstellt, w\u00e4hrend  die andere Seite, die &#8222;des Tieres&#8220;, das Gegenteil dessen, was als Ideal  betrachtet wird, repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Die soeben beschriebene Zweiteilung in Menschen &#8211; Tiere wird nicht als  etwas sich erg\u00e4nzendes gesehen oder als ein gleichbedeutendes,  egalit\u00e4res Nebeneinander, sondern als etwas asymmetrisches, als ein  absoluter und umfassender Gegensatz.<\/p>\n<p>Das manifestiert sich zum Beispiel in der Sprache: fressen &#8211; essen,  tr\u00e4chtig &#8211; schwanger sein, Aas (oder Fleisch &#8211; je nach Verwendungszweck)  &#8211; Leiche.<\/p>\n<p>Der Mensch &#8211; Tier Dualismus ist Teil einer hierarchischen Weltsicht und  Weltordnung die bestimmt ist von der Unterteilung in oben und unten, gut  und schlecht. Damit untrennbar verbunden ist die Wertung der  Individuen. Jene, zu denen mensch &#8222;die anderen&#8220; sagt, werden abgewertet,  gleichzeitig erfolgt die eigene Aufwertung. \u00dcber die Abgrenzung vom  Gegen\u00fcber definieren sich Menschen \/ Gruppen selbst.<\/p>\n<p>Es wird eine Norm, ein Ideal geschaffen und das Gegenteil dazu, das n\u00f6tig ist, damit das Ideal funktionieren kann.<\/p>\n<p>Bei vielen dieser Definitionen wer Tiere sind, werden menschliche  W\u00fcnsche und Abneigungen auf Tiere projiziert. In Tiere werden  Eigenschaften und Verhaltensweisen hineininterpretiert, die Menschen bei  anderen Menschen oder sich selbst vermissen oder unterdr\u00fccken. Viel  \u00f6fter wird Tieren all jenes zugeschrieben, was Menschen nicht sein  wollen, sei es individuell oder als Gruppe. Tiere werden wie eine Art  leeres Gef\u00e4\u00df benutzt, das beliebig mit Bedeutung versehen werden kann.  Das f\u00fchrt zur Entindividualisierung: Tiere scheinen austauschbar zu sein  und zur Versachlichung, was in Folge auch als Mechanismus zur  Weiteraufrechterhaltung der Unterdr\u00fcckung funktioniert und dazu beitr\u00e4gt  dass einzelne Tiere, Individuen v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigt und ignoriert  werden.<\/p>\n<p>Diese speziesistische Einstellung und Praxis hat eine lange Tradition,  in der sich religi\u00f6se und philosophische Anschauungen und wirtschaftlich  oder wissenschaftlich gepr\u00e4gte Ideologien gegenseitig abl\u00f6sten oder  erg\u00e4nzten.<\/p>\n<p>Speziesismus und damit Tierausbeutung und -mord ereignet sich nicht  (nur) auf pers\u00f6nlicher Ebene, sondern ist institutionalisiert.<\/p>\n<p>Diese Traditionen und Institutionen stehen im Kontext allgemeiner  Herrschaftsanspr\u00fcche und Hierarchien, die sich auf alle Lebensbereiche  und Individuen erstrecken.<\/p>\n<h3>5. Wechselwirkungen mit anderen Unterdr\u00fcckungsformen<\/h3>\n<p>Wir haben jetzt schon etwas dar\u00fcber geh\u00f6rt, wie ein dualistisches Denken  Beherrschung und Unterdr\u00fcckung legitimiert. Was wir in diesem  Zusammenhang auch betonen wollen, ist dass nicht nur die speziesistische  Unterdr\u00fcckung auf diese Weise funktioniert, sondern dass auch die  Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen nach dem selben,  allgemeinen Mechanismus arbeiten. Wir halten es f\u00fcr wichtig, darauf  hinzuweisen, dass es grunds\u00e4tzliche Zusammenh\u00e4nge zwischen  denverschiedenen Formen der Unterdr\u00fcckung gibt, auch wenn ich jetzt nur  ganz kurz darauf n\u00e4her eingehen kann.<\/p>\n<p>Ganz allgemein kann gesagt werden: Immer wenn die eigene Gruppe  idealisiert und zur Norm erhoben wird, hei\u00dft das f\u00fcr alle anderen, die  sich von dieser &#8222;Norm&#8220; unterscheiden, dass sie potentielle Opfer von  Aggressionen und Unterdr\u00fcckung darstellen. Dieses Prinzip ist am  Beispiel des Rassismus untersucht worden, trifft aber auch auf andere  Diskriminierungen von Menschen zu, und auch auf den Speziesismus kann es  angewandt werden.<\/p>\n<p>Dass im westlichen Denken &#8222;der Mensch&#8220; (in der Regel &#8222;der wei\u00dfe Mann&#8220;)  als &#8222;Ma\u00df aller Dinge&#8220; betrachtet wird, bedeutet f\u00fcr nichtmenschliche  Individuen, dass sie erst einmal beweisen m\u00fcssen, ob sie \u00fcberhaupt  Ber\u00fccksichtigung verdienen. Allein die Tatsache, dass sie keine Menschen  sind, gilt oft als ausreichende Begr\u00fcndung f\u00fcr ihre Unterdr\u00fcckung und  r\u00fccksichtlose Ausbeutung. Manchmal wird auch noch n\u00e4her ausgef\u00fchrt, was  denn genau ihre Unterlegenheit begr\u00fcnden w\u00fcrde, z.B. das Fehlen oder die  mangelhafte Auspr\u00e4gung von Intelligenz, Bewusstsein, Sprache oder  Kultur. Es hat viele Bem\u00fchungen gegeben, diese Vorw\u00fcrfe zu widerlegen  und tats\u00e4chlich konnte gezeigt werden, dass in allen genannten Bereichen  auch nichtmenschliche Individuen zu &#8222;respektablen&#8220; Leistungen f\u00e4hig  sind. In diesem Zusammenhang muss aber betont werden, dass allein die  Tatsache, dass nichtmenschliche Tiere an menschlichen Kategorien und  Normen gemessen werden, bereits ausgrenzend wirkt &#8211; im Vergleich mit  Menschen werden nichtmenschliche Tiere in Tests, die von Menschen  konzipiert und auf menschliche Eigenschaften zugeschnitten sind, immer  nur am zweitbesten abschneiden.<\/p>\n<p>Auch in einer anderen Hinsicht kann der Speziesismus nicht &#8222;widerlegt&#8220;  werden: Es ist tats\u00e4chlich n\u00e4mlich nicht von Bedeutung, welche  Unterschiede genau vorliegen, es ist nicht einmal wichtig, ob es diese  Unterschiede \u00fcberhaupt gibt, allein die Behauptung der grunds\u00e4tzlichen  Verschiedenheit gen\u00fcgt als Rechtfertigung der Unterdr\u00fcckung. Solange der  Speziesismus nicht so wie jede andere Form der Unterdr\u00fcckung als  Herrschaftsinstrument identifiziert und bek\u00e4mpft wird, wird sich an der  Ausbeutung von Tieren nur wenig \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber nicht nur auf dieser prinzipiellen Ebene bestehen Wechselwirkungen  zwischen den verschiedenen Formen von Unterdr\u00fcckung: Oft wird in  Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen von Menschen auf den gesellschaftlichen  Status und die Behandlung von nichtmenschlichen Individuen verwiesen.<\/p>\n<p>So z.B., wenn h\u00e4usliche Gewalt gegen &#8222;Heimtiere&#8220; ausge\u00fcbt wird, um  Frauen zu bedrohen, einzusch\u00fcchtern und zu isolieren. Am &#8222;Tier&#8220; wird  vorexerziert, dass es f\u00fcr alle einen festen Platz in der  gesellschaftlichen Hierarchie gibt, und dass ein Aufbegehren dagegen  nicht nur sinnlos w\u00e4re, sondern eine gewaltsamen Disziplinierung zur  Folge h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Ein fester Bestandteil von sexistischen und rassistischen Diskursen ist  auch das &#8222;In-Tier-N\u00e4he-R\u00fccken&#8220; von Menschen zur Legitimation von  Unterdr\u00fcckung und Gewalt. Die behauptete gr\u00f6\u00dfere &#8222;N\u00e4he zum Tier&#8220; oder  &#8222;der Natur&#8220; wird dabei als Rechtfertigung der Unterwerfung gebraucht;  vor allem gegen Frauen und Menschen, die nicht der rassistischen  europ\u00e4ischen Norm entsprechen, wurde und wird diese Argumentation  verwendet. Indirekt wird hier dazu aufgerufen, den beschuldigten  Menschen die gleiche Behandlung wie nichtmenschlichen Individuen  zukommen zu lassen. Das bedeutet in jeden Fall gesellschaftliche  Kontrolle und kann im schlimmsten Fall, wenn Menschen z.B. als  &#8222;Ungeziefer&#8220; oder &#8222;Sch\u00e4dlinge&#8220; bezeichnet werden, bis zur Forderung nach  Vernichtung und Ermordung f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u00dcber menschliche Opfer wird auch oft berichtet, sie w\u00e4ren &#8222;wie Tiere&#8220;  behandelt worden. Neben dem Entsetzen \u00fcber die begangenen Verbrechen an  sich klingt bei derartigen Formulierungen allerdings oft auch nicht  wenig Speziesismus mit, wenn anstatt die Gewalt an sich zu kritisieren,  in erster Linie gewisserma\u00dfen nur beanstandet wird, dass es Menschen  waren, denen sie angetan wurde. Was bei Menschen ein Verbrechen  darstellt, ist in Bezug auf nichtmenschliche Tiere akzeptierte  Normalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Kurz m\u00f6chte ich noch auf die Strategie einiger progressiver Bewegungen  eingehen, die die absolute Andersartigkeit von Menschen und allen  &#8222;Tieren&#8220; festzuschreiben und st\u00e4ndig neu zu best\u00e4tigen, um zu  verhindern, dass Menschen auf erw\u00e4hnte Weise abgewertet und unterdr\u00fcckt  werden. Wir halten das verst\u00e4ndlicherweise f\u00fcr einen falschen Ansatz,  der die Herrschaft stabilisiert, indem verschiedene unterdr\u00fcckte Gruppen  gegeneinander ausgespielt werden, und der verhindert, dass das Prinzip  der Unterdr\u00fcckung an sich angegriffen wird. In dieser Hinsicht ist eine  derartige Strategie \u00e4u\u00dferst inkonsequent in der Kritik an  Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen, wenn blo\u00df die Wahl der unterdr\u00fcckten Gruppe  kritisiert wird und nicht das Prinzip an sich.<\/p>\n<h3>6. Antispeziesismus<\/h3>\n<p>Eben weil Dualismen, Hierarchien und Herrschaft in allen  Gesellschaftsbereichen und Zusammenh\u00e4ngen dominieren, ist es wichtig,  dass Tierbefreiung auch in einem herrschaftskritischen und politischen  Kontext steht und Herrschaft prinzipiell kritisiert. Nicht nur die  Symptome (wie es der Tierschutz tut). Dazu geh\u00f6rt, das Aufbrechen der dualistischen Vorstellungen und  Zuschreibungen an Tieren (zum Beispiel dass Tiere nur instinktgesteuert  w\u00e4ren), die Dekonstruktion der Kluft zwischen Menschen und all jenen,  die unter dem Begriff &#8222;Tiere&#8220; zusammengefasst werden und am Ende jener  Praxis, die den (europ\u00e4ischen, m\u00e4nnlichen) Menschen als Norm und als  &#8222;Das Ma\u00df der Dinge&#8220; definiert. Das Ziel soll aber nicht die  Gleichsetzung von Menschen und anderen Tieren sein, sondern die Betonung  von Kontinuit\u00e4ten und Vielfalt. Nicht eine Wertung, sondern die  Erkenntnis der individuellen Besonderheit und Einzigartigkeit sollen  anti-hierarchische und herrschaftsfreie Beziehungen bestimmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine grundlegende Ver\u00e4nderung im Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis m\u00fcssen wir das vorherrschende Denken aufbrechen und danach leben.<\/p>\n<p><strong>Veganismus<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde jetzt kurz etwas \u00fcber Veganismus und seine Bedeutung f\u00fcr den Antispeziesismus erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Durch den Konsum von tierlichen Produkten wird direkt an der Ausbeutung  von nichtmenschlichen Tieren teilgenommen und davon profitiert. Dadurch  wird der Speziesimus best\u00e4tigt und weiter aufrechterhalten. Wir  verstehen Veganismus als Weigerung, weiterhin als KomplizInnen dieser  Unterdr\u00fcckung zu handeln.<\/p>\n<p>Hier sollte ich vielleicht kurz anmerken, dass uns sehr wohl bewusst  ist, dass unter den herrschenden kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen ganz  allgemein praktisch alle Waren unter Ausbeutung von Menschen hergestellt  werden. Dass wir diese Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnisse in unserem heutigen  Vortrag nicht behandeln, soll keineswegs hei\u00dfen, dass wir sie als  weniger &#8222;brennend&#8220; oder weniger falsch betrachten, als den Speziesismus!  Es gibt auch viele Parallelen und Verschr\u00e4nkungen, die es wert sind,  n\u00e4her betrachtet zu werden, daf\u00fcr haben wir heute aber leider keinen  Platz gefunden.)<\/p>\n<p><strong>Definition Veganismus:<\/strong><\/p>\n<p>Vegan zu leben bedeutet also, so weit wie m\u00f6glich keine Produkte zu  verwenden, f\u00fcr die Tiere ausgebeutet wurden. Das betrifft in erster  Linie Produkte, die aus Teilen toter Tiere bestehen oder hergestellt  werden wie &#8222;Fleisch&#8220;, &#8222;Fisch&#8220;, &#8222;Leder&#8220; oder \u00e4hnliches, aber auch  Produkte, die aus der Ausbeutung noch lebender Tieren &#8222;gewonnen&#8220; werden,  wie die Muttermilch vor allem von K\u00fchen, die Eier von V\u00f6geln, Honig,  die Haare von Schafen und so weiter. Viele VeganerInnen vermeiden auch  Kosmetika oder Reinigungsmittel die Substanzen, die von Tieren stammen  oder in Tierversuchen getestet wurden.<\/p>\n<p>Wie umfassend die Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren in unserer  Gesellschaft ist, kann auch daran erahnt werden, dass es praktisch nicht  m\u00f6glich ist, sozusagen &#8222;100 % vegan&#8220; zu leben, da wir immer wieder  darauf angewiesen sind, z.b. Medikamente zu verwenden, die in  Tierversuchen getestet worden sind und f\u00fcr die es noch keine veganen  Alternativen gibt.<\/p>\n<p>Veganismus wird von Au\u00dfenstehenden oft als &#8222;pers\u00f6nliche Entscheidung&#8220;  aufgefasst, die aus den verschiedensten Gr\u00fcnden getroffen wird, als  Sache des pers\u00f6nliche Lebensstils, die zum Privatleben geh\u00f6rt und keinen  Bezug zur gesellschaftlichen Realit\u00e4t hat. Diese Ansicht trifft  m\u00f6glicherweise auf einige vegan lebende Menschen zu, was aber den  antispeziesistischen Veganismus betrifft, ist das eine Fehleinsch\u00e4tzung.  Antispeziesistisch betrachtet handelt es sich bei Veganismus um eine  politische Entscheidung, einen Akt der Solidarit\u00e4t mit den unterdr\u00fcckten  Tieren. Wenn ich die speziesistischen Machtverh\u00e4ltnisse als falsch  erkannt habe und sie beseitigen m\u00f6chte, muss ich zuallererst damit  aufh\u00f6ren, sie durch mein eigenes Verhalten weiter aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Veganismus ist also ein unentbehrlicher Bestandteil einer  antispeziesistischen Einstellung. Allerdings bedeutet unserer Meinung  nach Antispeziesismus noch mehr (wie schon vorher gesagt wurde). Wenn  wir uns m\u00f6glichst konsequent antispeziesistisch verhalten wollen, wenn  wir ernsthaft daran interessiert sind, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern,  dann sollten wir nicht nur unser Verhalten, sondern auch unsere Sprache  und unser Denken \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Allein anhand der von uns gebrachten Beispiele zum Thema Sprache &#8211;  angefangen vom Begriff &#8222;Tier&#8220;, den verschiedenen Formen der sprachlichen  Distanzierung und Abwertung bis zur Einteilung nichtmenschlicher  Individuen nach deren Benutzbarkeit f\u00fcr menschliche Interessen &#8211; ist  erkennbar, dass unsere Sprache keineswegs nur neutral die Realit\u00e4t  beschreibt, sondern st\u00e4ndig die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse reproduziert.<\/p>\n<p>Eine neue Sicht der Gesellschaft erfordert daher auch eine neue Art,  \u00fcber diese Gesellschaft zu sprechen. Um den Tieren ihre Individualit\u00e4t  zur\u00fcckzugeben, m\u00fcssen wir vor allem damit aufh\u00f6ren, sie als Objekte f\u00fcr  unseren Gebrauch zu betrachten. Nicht nur physisch\/k\u00f6rperlich, auch  sprachlich m\u00fcssen wir damit aufh\u00f6ren, sie f\u00fcr unsere Zwecke zu  missbrauchen &#8211; wir sollten z.B. damit aufh\u00f6ren, uns von  nichtmenschlichen Tieren durch die Verwendung unterschiedlicher Begriffe  f\u00fcr analoge Zust\u00e4nde oder Verhaltensweisen zu distanzieren und sie  durch auf Projektionen beruhenden Metaphern und Schimpfw\u00f6rtern  entindividualisieren, ihr individuelles Geschlecht zu leugnen (&#8222;es&#8220;  statt &#8222;er&#8220; oder &#8222;sie&#8220;), sie als &#8222;besitzbar&#8220; zu betrachten oder sie nach  dem Zweck ihrer Ausbeutung zu bezeichnen (als &#8222;Nutz&#8220;-, &#8222;Haus&#8220;-  &#8222;Versuchs&#8220;tiere, etc.)&#8230; um nur nochmals die wichtigsten der bereits  beschriebenen Mechanismen der Herabw\u00fcrdigung zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p><strong>Ontologisierung<\/strong><\/p>\n<p>Wer Gewalt und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse kritisieren und beseitigen will,  muss es dort machen, wo sie sich entwickeln. D.h. also, wer es schlecht  findet, dass Tiere f\u00fcr Fleisch oder tierliche Produkte gefangen gehalten  und umgebracht werden, der muss dort ansetzen, wo die Tiere als &#8222;daf\u00fcr  da&#8220; stigmatisiert werden. Es muss klar gestellt werden, dass Kategorien  wie &#8222;Schlachtvieh&#8220; oder &#8222;Nutztiere&#8220; keine &#8222;nat\u00fcrlichen&#8220; sind, sondern  von unserem Bewusstsein bestimmte. Wenn wir diese Kritik also ernst  nehmen, dann k\u00f6nnen wir in Schweinen, Rinder, Fischen, Hennen und all  den anderen Spezies keine &#8222;Nutztiere&#8220; mehr sehen. Und wenn wir das nicht  mehr tun, dann k\u00f6nnen wir sie auch nicht mehr nutzen. Denn Tiere sind  kein Fleisch, kein Lebensmittel, keine Ressource. Sie sind  selbstbestimmte Individuen, die um ihrer selbst Willen leben, so wie wir  Menschen es auch tun.<\/p>\n<p><em> AktivistInnen der Basisgruppe Tierrechte haben folgenden Text  vorbereitet und bei Infoabenden am 14.5.2004 im Amerlinghaus in Wien und  &#8211; in leicht erweiterter Version &#8211; am 8.6.2004 in der Gr\u00fcnen Akademie in  Graz vorgetragen. Er ist als Einf\u00fchrung in das Themengebiet  &#8222;Mensch-&#8222;Tier&#8220;-Beziehung und Antispeziesismus&#8220; gedacht.<\/em><\/p>\n<p><em>Den Text als PDF k\u00f6nnt ihr hier lesen: (Link folgt in K\u00fcrze)<\/em><\/p>\n<p><em>Bei der Erstellung dieses Vortrages haben wir uns z.T. erheblich auf  folgende Texte bezogen, die wir auch zur weiteren Vertiefung w\u00e4rmstens  empfehlen:<\/em><\/p>\n<p><em>* Birgit M\u00fctherich, Die soziale Konstruktion des Anderen &#8211; zur  soziologischen Frage nach dem Tier (basierend auf einem Vortrag,  gehalten auf der XII. Tagung f\u00fcr angewandte Soziologie des  Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen (BDS), auch  online verf\u00fcgbar)<\/em><\/p>\n<p><em>* G\u00fcnther Rogausch, Innerhalb einer Kultur des Schlachthofes &#8211; Jenseits  von Fleisch (erschienen im Reader &#8222;Leiden beredt werden zu lassen, ist  Bedingung aller Wahrheit&#8220; der Tierrechtsaktion Nord (TAN), online zu  finden hier)<\/em><\/p>\n<p><em>* G\u00fcnther Rogausch, Voice of the Voiceless?! &#8211; Engagement &#8222;f\u00fcr Tiere&#8220; zwischen Solidarit\u00e4t und Paternalismus (erschienen im Reader &#8222;My Brother&#8217;s Keeper&#8220; der Tierrechtsaktion Nord (TAN))<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber Kommentare und Kritik an bat@8ung.at w\u00fcrden wir uns freuen!<\/em><\/p>\n<p><em><\/em> <strong>Basisgruppe Tierrechte (BaT)<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweckgebunden produziert &#8211; entindividualisiert &#8211; transformiert in tote Ware. 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