{"id":17,"date":"2010-08-27T14:23:13","date_gmt":"2010-08-27T12:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/berta-online.org\/?page_id=17"},"modified":"2010-08-29T17:30:01","modified_gmt":"2010-08-29T15:30:01","slug":"animal-liberation-was-will-die-tierbefreiungsbewegung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/berta-online.org\/?page_id=17","title":{"rendered":"Animal Liberation. Was will die Tierbefreiungsbewegung?"},"content":{"rendered":"<div><strong>&#8222;Animal Liberation (Befreiung der Tiere)&#8220; &#8212; mit diesem Schlagwort sind  vor ca. 25 Jahren Menschen angetreten, um die anma\u00dfende und ma\u00dflose  Herrschaft des Menschen \u00fcber die anderen Tiere zu beenden. Damit wurde  und wird der klassische Tierschutz abgel\u00f6st. In diesem hatte man es sich  seit \u00fcber hundert Jahren ganz gem\u00fctlich eingerichtet. Doch als vor ca.  25 Jahren erste Bilder aus Tierversuchslabors und Massentierhaltungen an  die \u00d6ffentlichkeit drangen, zeigte sich, dass der klassische Tierschutz  der massenhaften maschinellen Ausbeutung von nichtmenschlichen Tieren  nicht mehr gewachsen ist. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Geburt der Tierrechtsidee<\/strong><\/p>\n<p>Einige Menschen begannen damals, die uralte Hierarchie zwischen Menschen  und Tieren in Frage zu stellen und an der streng gezogenen  Mensch-Tier-Grenze zu r\u00fctteln. Die auffallend \u00e4hnlichen  Leidens\u00e4u\u00dferungen der nichtmenschlichen Tiere stellten diese Grenze in  Frage. Warum sollte das Prinzip der Gerechtigkeit (&#8222;Gleiches gleich zu  bewerten\/zu behandeln&#8220;) nur f\u00fcr die menschliche Spezies gelten? M\u00fcsste  dieses nicht auch f\u00fcr nichtmenschliche Lebewesen dort gelten, wo sie uns  gleich sind? Das Interesse jedenfalls, schmerzfrei und eigenbestimmt zu  leben, ist unbestreitbar auch bei nichtmenschlichen Tieren vorhanden.  Also m\u00fcssten sie dort auch gleich behandelt werden. Die Idee der  Tierrechte war geboren. Dieser Proze\u00df der Gleichberechtigung hatte  einige Vorl\u00e4ufer in der Geschichte. Auch Sklaven, Menschen nichtwei\u00dfer  Hautfarbe und Frauen wurden grundlegende Rechte aufgrund bestimmter  Merkmale vorenthalten. Die Gleichheit ihrer Interessen wurde geleugnet.  Wurde aber erst einmal erkannt, dass bestimmte Merkmale  (Volkszugeh\u00f6rigkeit, Hautfarbe, Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit) keine  Minderwertigkeit bedeuten, mu\u00dften auch gleiche Rechte zugestanden  werden. Schon so manche tausendj\u00e4hrige \u00dcberzeugung war unter den  Kategorien Gleichheit und Gerechtigkeit zerbrochen. Die nichtmenschliche  Spezieszugeh\u00f6rigkeit von Tieren ist genausowenig ein Grund f\u00fcr die  Verweigerung von Grundrechten wie z.B. die nicht-m\u00e4nnliche  Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit. Gleichberechtigung bedeutet, keine  Wertunterschiede aufgrund bestimmter Merkmale oder F\u00e4higkeiten zu  postulieren. Ein tierliches Individuum kann nicht Goethe lesen, aber das  Ausstechen der Augen schmerzt ihm\/ihr genauso wie einem Menschen;  daraus folgt: das Ausstechen der Augen ist bei Mensch und  nichtmenschlichem Tier zu unterlassen, egal ob mit diesen Augen Goethe  gelesen wird und egal, welchem Zweck das Ausstechen der Augen dient.  Schlie\u00dft man aber die nichtmenschlichen Tiere aus dem  Gleichheitsgrundsatz aus, verabschiedet man sich von der G\u00fcltigkeit des  Gleichheitsgrundsatzes \u00fcberhaupt und stellt damit alle  Emanzipationsbewegungen in Frage. Die Willk\u00fcrherrschaft \u00fcber Individuen  wird dann zur legitimen Umgangsform erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><strong>Der t\u00f6tende Blick &#8211; Speziesismus<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die trotzdem stattfindende Unterwerfung der nichtmenschlichen Tiere  unter alle Interessen von Menschen pr\u00e4gte Richard Ryder Anfang der 70er  Jahre den Begriff Speziesismus. Er beschreibt damit die &#8222;weitverbreitete  Diskriminierung, die vom Menschen gegen\u00fcber anderen Spezies praktiziert  wird.&#8220; Damit soll auch die Parallele zu Rassismus und Sexismus gezogen  werden. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Ideologie des Speziesismus  unsere ganze Weltsicht konstruiert (das zeigt sich schon in der  undifferenzierten Redeweise von &#8222;den Tieren&#8220; und dem damit verbundenen  abwertenden Denken: &#8222;Tiere sind doch f\u00fcr uns da.&#8220;; &#8222;Es sind ja nur  Tiere.&#8220;. So werden wir z.B. schon von klein auf an die  Selbstverst\u00e4ndlichkeit des &#8222;Fleischessens&#8220; gew\u00f6hnt. Selten wird die  Ausbeutung und T\u00f6tung nichtmenschlicher Tiere f\u00fcr Nahrung und Kleidung  des Menschen, f\u00fcr Erforschung von Medikamenten, f\u00fcr Vergn\u00fcgen und Sport  prinzipiell in Frage gestellt. Das Anliegen der Tierbefreiungsbewegung  ist es, diesen Umgang mit tierlichen Individuen prinzipiell in Frage zu  stellen und die wahre Identit\u00e4t des nichtmenschlichen Tieres aus der  Warenidentit\u00e4t des Fleisches\/Tierprodukts\/Tiermodells wieder  herauszusch\u00e4len. Dies ist aber ein gro\u00dfer ideologiekritischer Proze\u00df,  der dort ansetzen mu\u00df, wo die Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere  konzipiert wird &#8211; bei der Betrachtungsweise &#8222;der Tiere&#8220;. Speziesismus  beruht auf der Konstruktion des Tieres als &#8222;ganz anderes Wesen&#8220;, als vom  Menschen tief getrenntem, niederwertigem Lebewesen. &#8222;Das Tier&#8220; wird zur  Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr das Wilde, Dumpfe, Triebhafte, Unvern\u00fcnftige,  Defizit\u00e4re. &#8222;Der Mensch&#8220; konstruiert sich als der Gegenpol des Tieres,  als das vern\u00fcnftige, geistige, moralische, h\u00f6herwertige Wesen, das \u00fcber  wertes und unwertes Leben urteilen darf. Diese  &#8222;Herrenmenschenmentalit\u00e4t&#8220; ist die Grundlage des gigantische Systems der  Tierausbeutung und blockiert zugleich ein Unrechtsbewu\u00dftsein. Durch  soziale Konstruktion des Anderen wurde jahrhundertelang auch andere  Wertehierarchien begr\u00fcndet: z.B. die Unterdr\u00fcckung und Ausgrenzung der  Frau. Speziesismus, Sexismus und Rassismus sind miteinander verflochten.  &#8222;Denn so willk\u00fcrlich, wie alle Tiere, bzw. einzelne Tierarten  degradiert werden k\u00f6nnen, so willk\u00fcrlich k\u00f6nnen auch alle Menschen bzw.  einzelne Rassen und Gruppen degradiert werden: Ausl\u00e4nder, Juden, Frauen &#8211;  es trifft immer die jeweils &#8218;Anderen'&#8220; (A. Schwarzer). Auf die  Emanzipation der Frauen und Menschen nichtwei\u00dfer Hautfarbe mu\u00df  logischerweise die &#8222;Befreiung der Tiere&#8220; folgen.<\/p>\n<p><strong>Jenseits von Fleisch &#8211; Eine neue Sicht auf die Tiere<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 3,76 Mio Rinder, 46,3 Mio Schweine, 1  Mio Schafe, 547 893 t Masth\u00e4hnchen, 1712 t G\u00e4nse geschlachtet. In  diesen Statistiken gehen die nichtmenschlichen Tiere als Individuen  unter. Doch jede\/r Einzelne von ihnen war ein empfindendes und  unverwechselbares Individuum, das nicht umgebracht werden wollte. Es ist  Opfer der institutionalisierten speziesistischen Gewalt geworden, die  jede\/r einzelne FleischesserIn zu verantworten hat. In diesem  Zusammenhang kommt die politische Dimension des Vegetarismus\/Veganismus  in den Blick. Die vegetarisch\/vegane Lebenseinstellung bedeutet eine  radikale Kritik der gesellschaftlichen Verurteilung von  nichtmenschlichen Tieren zu restlos rechtlosen Nutzungsobjekten.  Insofern hat die Tierrechtsidee ihren Platz auf dem  gesellschaftspolitischen Feld und nicht in der Kuschelecke f\u00fcr  Tierfreunde! Auch jetzt in diesem Moment l\u00e4uft die Folter- und  Vernichtungsmaschinerie der Tierausbeutung auf Hochtouren. &#8222;Sie kann  nicht von einer Handvoll engagierter &#8218;Tiersch\u00fctzer&#8216; gestoppt werden,  sondern nur von einem grunds\u00e4tzlichen Umdenken und entsprechenden  Handeln &#8218;des Menschen&#8216;, einer &#8218;Wende&#8216;, die das Tier von seiner  Versklavung als Objekt menschlichen Irrsinns befreit&#8220; (Sina Walden).  Jede\/r Einzelne kann etwas zu dieser Wende beitragen, indem er\/sie sich  selbst jenseits von Fleisch begibt und eine neue Sicht auf die  nichtmenschlichen Tiere lebt.<\/p>\n<p><strong>Antispegruppe Leipzig<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Animal Liberation (Befreiung der Tiere)&#8220; &#8212; mit diesem Schlagwort sind vor ca. 25 Jahren Menschen angetreten, um die anma\u00dfende und ma\u00dflose Herrschaft des Menschen \u00fcber die anderen Tiere zu beenden. 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